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Aylin Ata, Verena Glöckler und Donika Zekaj:
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Ernährung im Hochmittelalter - Eine Frage der gesellschaftlichen Stellung?
1. Vorspeise
„Der Arme isst was er hat, der Reiche was er will". Ein Klischee des Mittelalters, oder doch
die bittere Wahrheit? Hing die Ernährung im Hochmittelalter wirklich von der gesellschaftlichen
Stellung ab?
In unserer Abhandlung der Seminarfacharbeit befassen wir uns genau mit dieser Fragestellung.
Besonders wichtig erscheint uns hierbei erst einmal zu klären, welche Nahrungsmittel
und Getränke die einzelnen Schichten zu sich nahmen. Darüber hinaus widmen wir uns
beispielsweise auch den unterschiedlichen Problemen und Folgen der Ernährung. Das Thema
fasziniert nicht nur durch die Möglichkeit Einblicke in die Kultur der Menschheit zu
gewinnen, sondern auch aufgrund seiner Alltagsnähe und dessen Anschaulichkeit. Zudem
gehört das Essen und Trinken zu den elementaren Bedürfnissen der Menschen, welche
lebensnotwendig sind.
Inhalt
2. Hauptspeise
2.1. Nahrungsmittel
Viele Nahrungsmittel und Speisen wurden in der mittelalterlichen Ständegesellschaft häufig
in Herrenspeise und Bauernspeise unterteilt.
Doch was zählte als Herren-, und was als Bauernspeise? Wovon ernährten sich die höheren
Stände, wie zum Beispiel der Adel und womit füllten die Bauern ihre hungrigen Mägen?
Diese Fragen werden in den nachfolgenden Kapiteln näher untersucht.
2.1.1 Getreide, Brot und Brei
Die Grundlage der damaligen Ernährung bildete für alle Schichten das Getreide und war
damit das wichtigste Erzeugnis der Bauern. Die Getreidewirtschaft ist im Hochmittelalter
sogar bedeutender als die Viehwirtschaft geworden. Die Ursache dafür lag in der stetig
anwachsenden Bevölkerung. Man brauchte die großen Flächen, wo früher Vieh gehalten
wurde für den Getreideanbau, denn damit konnten mehr Menschen versorgt werden.
Um die Fläche möglichst intensiv zu nutzen und damit eine Ertragssteigerung zu erzielen,
wurde nach der Dreifelderwirtschaft angebaut. Damit lag nur ein Drittel der Flächen zur
Regeneration brach, während die anderen zwei Drittel mit Getreide bestellt wurden. Der
Nachteil bei diesen fest organisierten Bewirtschaftungssystemen war aber die Verhinderung
der Ausbreitung anderer Kulturpflanzen und somit eine Ursache der einseitigen Ernährung.
Die Fruchtfolge der Dreifelderwirtschaft war in der Regel Roggen, Hafer, Brache. Doch statt
des Roggens wurde auch vielerorts Weizen und Dinkel gesät und statt dem Hafer auch
stellenweise Gerste. Der Roggen, sowie auch Dinkel, Gerste und Hafer sind anspruchslose
Getreidesorten. Sie können auch auf mageren Böden angebaut werden und sich an
verschiedene Arten von Klima anpassen. Dadurch lieferten sie zufriedenstellende Erträge.
Roggen war dabei unangefochten das wichtigste Brotgetreide im weitaus größten Teil Mitteleuropas und besonders im nördlichen und östlichen Deutschland. Der Weizen hingegen ist
sehr anspruchsvoll. Er verträgt kein strenges Klima und braucht fruchtbare Böden
Doch trotz der Fortschritte im hochmittelalterlichen Ackerbau blieben die Ertragsquoten in
der Getreidewirtschaft insgesamt relativ niedrig. So war die Anfälligkeit für Hungersnöte relativ hoch, denn der Ertrag musste für den Eigenbedarf und für die Abgaben an die
Grundherren ausreichen.
In den meisten Fällen wurde das Getreide zu Brot verarbeitet. Brot war das Hauptnahrungsmittel
und je ärmer man war, desto häufiger stand es auf dem Speiseplan. Mit der Gründung
der ersten Städte im Hochmittelalter und deren Aufschwung wurde das Brot vor allem in den
Bäckereien der Stadt gebacken. Man konnte dort auch sein Korn abliefern und erhielt im
Gegenzug vom Bäcker eine bestimmte Menge an Brot.
Doch Brot war damals nicht gleich Brot. Es wurde zwischen "gutem" Brot und "schlechtem"
Brot unterschieden. Der Unterschied bestand in der Farbe und in der Beschaffenheit des
Brotes. Das Bauernbrot, also das "schlechte" Brot war dunkel, weil es mit Mehl gebacken
wurde, das nicht ausgesiebt war und so noch die gesamte Kleie enthielt. Außerdem verwendeten
die Bauern Getreidesorten, die anspruchslos und ertragreich sind, also zum Beispiel
Roggen, Gerste und Hafer. Doch da diese stärkearm sind, geht das Brot nicht so gut auf und
man erhält ein schweres Brot.
Den Reichen diente solches Brot höchstens als Teller, worauf sie ihr Fleisch legten. Nach dem
Essen gaben sie dann den Armen die eingefetteten Brotscheiben oder verfütterten sie an die
Tiere. Es konnte auch vorkommen, dass die arme Bevölkerung das Brot noch mit Mehl von
geschälten Hülsenfrüchten strecken musste. In Notzeiten wurde auch Brot aus Rüben, Petersilie,
Rettich und Zwiebeln gegessen.
Bei schlechten Witterungsverhältnissen fiel aber nicht nur die Getreideernte schlecht aus,
sondern es breitete sich auch nach verregneten Sommern ein gefährlicher Schmarotzerpilz des
Roggens aus. Dieser unscheinbare Pilz am Korn, auch Mutterkorn genannt, löste das damals
gefürchtete Antoniusfeuer aus. Es traf vor allem die ärmeren Leute, da sie nach Hungersnöten
alles in die Ernte aufnahmen, was an Korn vorhanden war, auch das Korn welches vom Pilz
befallen war. Hinzukam, dass das Mutterkorn besonders kurz vor der Ernte am meisten Gift
enthielt. Zuerst bekannt wurde die Mutterkornvergiftung aber unter dem Namen ignis sacer,
was so viel wie heiliges Feuer bedeutet. Die Menschen glaubten, dass das heilige Feuer von
Gott gesandt wurde um darin das sündige Fleisch der gegen ihn schuldig Gewordenen
brennen zu lassen. Die Folgen der Vergiftung waren Halluzinationen, Brandigwerden der Gliedmaßen oder sogar der Tod. Da die Ursache des Antoniusfeuers aber nicht bekannt war,
wurden auch die Hexen dafür verantwortlich gemacht.
Im Gegensatz zum dunklen und schweren Brot galt das aus fein gemahlenem Weizenmehl
hergestellte Weißbrot als Herrenspeise, da Weizen ein sehr anspruchsvolles Getreide ist, das
geringere Erträge liefert. Durch seinen hohen Stärkegehalt ergibt sich ein lockeres Brot, das
damals einen Luxusartikel darstellte, den sich nur die höheren Schichten leisten konnten.
Die Bauern aßen das Weizenbrot normalerweise nicht. Wenn sie Weizen anbauten, dann
verkauften sie ihn, oder lieferten ihn beim Grundherrn ab.
Weil das helle Weizenbrot damals so wertvoll war, versuchten manche Bäcker auch das
minderwertigere dunkle Brot mithilfe der seltsamsten Mittel wie zum Beispiel Kreide, Gips,
weißem Töpferton, oder gemahlenen Knochen hell zu färben, oder mit Chlor zu bleichen und
so teuer als Weißbrot zu verkaufen. Manchmal taten sie auch getrocknete Fliegen statt
Rosinen in den Teig. Doch diese betrügerischen Bäcker wurden mit hohen Geldbußen hart
bestraft. Mancherorts wurden die Bäcker aber auch öffentlich in einem Korb über eine
Jauchegrube aufgehängt. Um diesen zu verlassen mussten sie aus dem Korb in die stinkende
Jauche springen.
Zwischen dem Brot für die Reichen und dem Brot für die Armen gab es ein so genanntes
Stadtbrot oder Bürgerbrot. Dieses bestand aus weniger fein gesiebtem Mehl und stellte die
tägliche Kost des Durchschnittsbürgers dar. Dazu gehörten zum Beispiel Kaufleute und Handwerker. Man konnte die gesellschaftliche Stellung also mitunter daran erkennen, welche
Farbe das Brot hatte, das gegessen wurde.
Doch es gab auch einige Menschen, die es sich gar nicht leisten konnten Brot zu essen. Denn
um überhaupt Brot backen zu können, benötigte man einen Ofen, den nur wenige Bauernhöfe
besaßen. Manchmal hatte eine Dorfgemeinschaft einen gemeinsamen Ofen, der aber
wiederum meist im Besitz des jeweiligen Grundherrn war. Außerdem hatte der Grundherr
auch das Mühlenprivileg. Wer dort sein Korn zu Mehl mahlen wollte, musste eine Gebühr
bezahlen oder einen Teil des Mehls abgeben. Um das herrschaftliche Monopol zu umgehen,
zerkleinerten die Bauern oftmals ihr Korn selber zu grobem Schrot für einen Getreidebrei im
Mörser oder in der Handmühle. Eine Möglichkeit Brot ohne einen Ofen herzustellen gab es auch. Man legte den Brotteig einfach in einen verschlossenen Tontopf, stellte ihn unter heiße
Asche und wartete bis daraus ein essbarer Fladen entstanden war. Der Nachteil dabei war
aber, dass diese Brotfladen sehr schnell hart wurden und so nur mit Öl gegessen werden
konnten.
Der Getreidebrei war deshalb oftmals Grundnahrung armer Leute. Er wurde aus grob
zerkleinertem Getreide hergestellt und mit Wasser oder Milch aufgekocht. Oftmals wurde der
Brei auch als Mus oder sogar als Brot bezeichnet, war einfach zuzubereiten und machte lange
satt. Hafer zählte zu den wichtigsten Breigetreiden, denn er ist kälte- und feuchtigkeitsunempfindlich
und für die Ernährung sehr wertvoll, da sein Eiweiß- und Fettanteil größer als
bei anderen Getreidearten ist. Aber auch Hirse wurde zum Kochen von Brei verwendet, allerdings
galt dies für die einfachen Leute oft schon als eine Festspeise
Allgemein hatten die Bürger in der Stadt einen Vorteil gegenüber der Landbevölkerung.
Während die Bauern von den Produkten abhängig waren, die sie selbst auf ihren eigenen
Feldern anbauen konnten, hatten die Bürger in der Stadt die Möglichkeit eine größere Vielfalt
an Nahrungsmittel über die Märkte zu beziehen.
2.1.2. Fleisch
Wie schon erwähnt hatte die Viehhaltung im Hochmittelalter eine zweitrangige Position
gegenüber der Landwirtschaft eingenommen. Man hatte die für das Vieh benötigte Weidefläche
auf ein Minimum reduziert um mehr Platz für den Ackerbau zu haben. Doch trotz des
„Trends der Vergetreidung" spielte Fleisch in der Ernährung immer noch eine wichtige
Rolle. Allerdings hing die Fleischmenge von der Größe der Weideflächen ab, die man für die
Viehhaltung übrig ließ. Die Viehzucht ist aber auch eng mit dem Ackerbau verbunden, weil
für die Bearbeitung der Felder und für die Düngung Spanntiere gebraucht wurden. So hatten
auch Bauernhöfe mit ausgeprägter Getreidewirtschaft einen kleinen Bestand an Vieh.
Der Fleischkonsum hing aber vor allem mit der gesellschaftlichen Stellung zusammen.
Während sich die niederen Stände nur selten Fleisch leisten konnten, speisten die Reichen, bis
auf die Fastentage, große Mengen an Fleisch. Besonders an Festen wurde beim Adel ordentlich aufgetischt. Doch einen jährlichen Pro-Kopf Verbrauch anzugeben wäre sehr
gewagt, da die regionalen Unterschiede sehr groß sein konnten.
Die Bauern aßen am liebsten das fette Schweinefleisch, da das fette Fleisch viele Kalorien
enthält, welches den Bauern die nötige Energie lieferte, die sie bei der schweren Arbeit auf
dem Feld benötigten. Doch das war nicht der einzige Grund, warum besonders Schweine in
der bäuerlichen Wirtschaft sehr geschätzt wurden. Zum einen stellten sie als Allesfresser
keine hohen Futteransprüche und zum anderen wurden sie durch ihr schnelles Wachstum früh
schlachtreif. Aber vor allem konsumierten die höher gestellten Schichten das wohlschmeckende
Schweinefleisch oft noch sehr junger Schweine. Allgemein kann man feststellen,
dass sich Leute in "besseren" städtischen Bezirken von qualitativ höherwertigerem
Fleisch jüngerer Tiere ernährten, wie Knochenfunde belegen.
Das mittelalterliche Schwein kann aber nicht mit dem Schwein von heute verglichen werden.
Denn Schweineknochen, die bei mittelalterlichen Ausgrabungen gefunden wurden, deuten
darauf hin, dass das mittelalterliche Schwein vielmehr Ähnlichkeit mit dem Wildschwein
hatte. Es ernährte sich auch von Eicheln und Bucheckern, die es im Wald fand. Die Zunahme
der Waldrodung erschwerte die bäuerliche Schweinehaltung allerdings. Geschlachtet
wurde das Vieh dann meist in dem Wintermonat November, um sich das Futter zu sparen,
dass die Tiere sonst bräuchten. Es hing aber auch damit zusammen, dass die Naturalabgaben
zu Martini (11. November), dem Beginn des Wirtschaftsjahres, fällig waren und die kalte
Jahreszeit bessere Bedingungen für die Verarbeitung und Konservierung des Fleisches bot.
Die Rinder wurden aber im Vergleich zu den Schweinen oft später geschlachtet, meist mit
vier oder fünf Jahren, da ihre Arbeitsleistung als Zugtiere genauso wichtig war wie ihr
Fleisch. Genauso wie das Schwein ist auch das Rind von damals nicht mit heute zu
vergleichen. Es war etwa um ein Viertel kleiner. Seine Zuchtqualität schien im Allgemeinen
auch geringer gewesen zu sein, da es sich rein zufällig auf der Allmende, auf der es weidete,
fortpflanzte. Hinzukam, dass nicht darauf geachtet wurde, ob die Relation zwischen
weiblichen und männlichen Tieren stimmte.
Man verwendete das Rindvieh aber nicht nur als Fleischlieferant, ihre Haut diente auch als
Leder. Ein weiteres wichtiges Tier im Hochmittelalter war das Schaf. Denn es lieferte nicht
nur Fleisch sondern auch Käse, Milch und Wolle, die als Grundstoff für die Kleiderherstellung
sehr begehrt war. Außerdem war das Schaf relativ anspruchslos, es fand Futter im
Wald, auf kargen Grasböden im Tiefland und auf Weiden im Hochgebirge. Auch für die
Dreifelderwirtschaft waren die Schafe von Bedeutung. Zum einen schützten sie das
brachliegende Feld vor „Verunkrautung", zum anderem traten sie die Saat tiefer in die Erde
als andere Tiere. Geschlachtet wurden sie meist auf den Druck von Grundherren hin in der
frischfleischarmen Osterzeit. Im Gegensatz dazu wurde das Fleisch der Ziege selbst in
Notzeiten selten gegessen, aber als Milchlieferant wurde sie von den kleinen Leuten sehr
geschätzt.
Die bisher genannten Fleischsorten waren alle, zwar in viel geringeren Mengen, auch den
unteren Schichten zugänglich. Doch das Wild war dem Herrentisch vorbehalten. Allen
anderen war durch das Jagdprivileg des Adels verboten Wild zu erlegen und somit war es
ihnen auch nicht möglich es zu verzehren. Der Adel überwachte die Einhaltung dieses
Vorrechtes sehr genau. Typische Jagdtiere waren zum Beispiel Hase, Rothirsch, Reh und
Wildschwein. Verschiedene Knochenfunde deuten aber darauf hin, dass der Wildanteil in der
Ernährung eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben muss. Bei Ausgrabungen in Ulm-Weinheim zum Beispiel machte der Anteil an Wildknochen gerade einmal einen Prozentsatz
von 1,3 % aus. Auch in Bardowick lag der Wildknochenanteil nicht viel darüber, obwohl
Bardowick damals in einem Jagdgebiet lag.
Doch diese archäologischen Befunde müssen nicht unbedingt auf einen geringen Wildanteil in
der Ernährung deuten. Ernst Schubert weist nämlich darauf hin, dass das Wild oftmals schon
an Ort und Stelle der Erlegung verzehrt wurde. Somit konnten die Knochen gar nicht auf den
Burgen gefunden werden. Diese Annahme wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass
die Jagd für die Herren ein großes Vergnügen darstellte. Jagen galt als Kunst, die mit großen
Anstrengungen, Gefahren und Unsicherheiten verbunden war. Diese Umstände erhoben die
Beute zu etwas Wertvollem. Der ungewisse Ausgang der Jagd machte das erlegte Tier zu
einer Trophäe. Und gerade auch die Seltenheit des Wildes übte den gewissen Reiz aus,
machte die Jagdbeute begehrenswert.
Auch Geflügel kam vor allem auf den Tisch der Herren. Dazu gehörten aber nicht nur
Hühner, sondern auch Kapaune, Enten, Gänse und manchmal sogar Schwäne und Pfauen.
Diese Vorliebe für Geflügel beruhte aber nicht nur auf dem Geschmack des Fleisches,
sondern auch auf der Vorstellung, dass dieses Fleisch etwas ganz Besonderes war. Diese
Annahme, so schreibt Heidrun Merkle, „beruhte auf der damals geläufigen Vorstellung von
einer hierarchisch gegliederten Welt, in der alles – Menschen, Tiere und Pflanzen – einen
bestimmten Platz in der Werteskala innehatte." Je weiter oben sie sind, also je größer die
Nähe zum Himmel ist, desto höher stehen sie auf der Werteskala. Geflügel war also deshalb
so beliebt bei den Adligen, weil die Vögel die obersten Plätze im Tierreich einnahmen.
Deshalb durften sie auch bei keiner festlichen Mahlzeit fehlen. In mittelalterlichen
Ernährungslehren wurde sogar erklärt, dass deren Fleisch nicht besonders nahrhaft sei und aus
diesem Grund nur für die Oberschicht geeignet sei, da sie keine schweren Speisen
bräuchten. Hühner und Gänse wurden trotzdem auch öfters auf einem Bauernhof gehalten,
aber sie waren meistens für die Herren als Naturalabgaben bestimmt, sodass die Bauern nur
sehr selten in den Genuss ihres Geflügels kamen. Doch ganz fehlten sie in der bäuerlichen
Ernährung natürlich auch nicht.
Andere Haustiere wie Pferd, Esel, Hund und Katze spielten in der Ernährung keine große
Rolle, da sie nur in Notzeiten gegessen wurden. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Pferde
und Esel wurden als Zug- und Lasttiere gebraucht. Hunde mussten in erster Linie als Hüte–
und Jagdtiere dienen und die Aufgabe der Katzen war die Stadt vor Mäusen und Ratten freizuhalten. Es kam aber durchaus vor, dass betrügerische Händler nach Abziehen des Fells
Katzen für Hasen verkauften.
Doch nicht nur von welchem Tier das Fleisch kam bestimmte den Wert des Fleisches, sondern
man unterschied auch in edle und niedere Fleischteile. Zu den niederen Fleischstücken
gehörten Kleinteile und Innereien des Schlachtviehs wie Füße, Kehle, Lunge, Leber, Maul,
Nieren, Hirn und Därme. Allerdings waren diese Nebenprodukte des Viehs nur für die unteren
Gesellschaftsschichten bestimmt. Bedienstete an Herrenhöfen bekamen dies als Mahlzeit,
wohingegen die Adligen den Braten genossen, da die Innereien als Abfallprodukte galten. Auf
den Herrentisch konnten höchstens Innereien von Wild kommen.
Zusammengefasst kann man sagen, dass der Verzehr von jungen Schafen und Schweinen,
Geflügel und Wild ein Privileg der oberen Gesellschaftsschicht war, genauso wie der edle
Braten. Die Bauern hingegen hatten, wenn überhaupt, nur Fleisch von alten Rindern und
Schweinen sowie Innereien auf dem Teller. Der gesellschaftliche Status war also auch hier
von Bedeutung.
2.1.3. Fisch
Der Fisch spielte in der Ernährung, vor allem in der Fastenzeit, als Eiweiß- und Proteinlieferant
eine sehr wichtige Rolle, da in dieser Zeit der Verzehr von Fleisch, Milch, Butter,
Eiern und Käse strengstens untersagt war. Doch die breite Bevölkerung konnte sich in der
Fastenzeit keinen erhöhten Fischkonsum leisten, im Gegensatz zu der Oberschicht. Diese
verspeisten den Fisch oft in großen Mengen, da er einen hohen Stellenwert besaß. Dies war
darauf zurückzuführen, dass der Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft sich vergrößerte und
somit dem Fisch als Fastenspeise eine immer größere Bedeutung zukam. Um den großen
Bedarf zu decken wurden bei Klöstern und auf herrschaftlichem Grund Fischteiche angelegt.
Wer also in der Lage war viel Fisch zu sich zu nehmen, demonstrierte damit auch
gleichzeitig seine gesellschaftliche Stellung. Grundsätzlich durften aber auch die Ärmeren
fischen, aber nur für den Eigenbedarf und in weniger ertragreichen Gewässern. Wurde mehr
als für den Eigenbedarf gefischt, verpachtete man das Gewässer an Berufsfischer und beutete
es aus. Oft wurden nur sehr kleine Fische verzehrt, wie Funde entsprechender Reste in
Grabenhäusern kleiner Siedlungen, aber auch in Klöstern zeigen. Diese Speisereste wurden
bei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten gefunden und somit kann man davon ausgehen,
dass das Nahrungsmittel bei allen Schichten mehr oder weniger vertreten war.
Die Bauern aßen meist nur Fisch aus heimischen Gewässern wie Neunauge, Äsche, Forelle
und Hausen. Der Hausen, eine Störart, war besonders beliebt, weil man seine in Wasser
aufgelöste Schwimmblase als Geliermittel verwenden konnte. Die Fische, die als Herrenspeise
galten, waren Lachs, Hecht, Hering, Stockfisch und Kabeljau. Diese wurden, meist in
eingesalzter Form, über den Fernhandel vertrieben. Der Handel mit konserviertem Fisch
kam im 11. Jahrhundert auf, wobei er seine Blüte im 12. Jahrhundert erreichte. Im Spätmittelalter wurde der Hering, der vor dem 13. Jahrhundert nur in Küstennähe und nicht im
Binnenland bekannt war, zum Volksnahrungsmittel.
2.1.4. Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst
Die pflanzliche Nahrung hatte unter den mittelalterlichen Medizinern im Gegensatz zu heute
keinen so guten Ruf. Obst und Gemüse galten als deutlich weniger nahrhaft im Vergleich zu
Brot und Fleisch. Wenn man es aber aß, sollte man dies unbedingt vor dem eigentlichen Essen
tun, damit die Verdauung der anderen Lebensmittel nicht beeinträchtigt wurde. Hildegard
von Bingen riet sogar ganz vom Verzehr von frischen und rohen Früchten ab, da sie Magenund
Milzschmerzen auslösen können. Man sollte sie vor dem Verzehr erst richtig zerkochen
und mit Gewürzen und Essig verfeinern.
Obst und Gemüse hatten allerdings nicht den gleichen Stellenwert. Gemüse galt als Bauernspeise,
Obst eher als Herrenspeise. Die Bauern hatten die Möglichkeit in ihren eigenen Gärten
Gemüse wie Rüben, Lauch, Zwiebeln und Kohl anzubauen, die sie dann meistens zu Suppen
oder Eintöpfen weiterverarbeiteten. Bei den Bauerngärten handelte es sich um schlichtes
Nutzland, das nahe am Haus lag und nicht um Zier- oder Blumengärten. Besonders alt ist der
Anbau von Hülsenfrüchten. Am häufigsten wurden Erbsen, Bohnen und Linsen angebaut.
Neben dem Getreide gehörten die Hülsenfrüchte zu den wichtigsten pflanzlichen Nahrungsmitteln,
da sie im Vergleich zu anderen Pflanzen viele Proteine beinhalten. Gerade für die
Bauern, die nicht viel Fleisch zur Verfügung hatten oder für die Mönche, die kein Fleisch aus
religiöser Überzeugung zu sich nahmen, waren diese Proteine also sehr wichtig. Die
Hülsenfrüchte wurden in verschiedener Form verzehrt. Zum einen wurden die Samen und
Hülsen als Brei oder Eintopf zubereitet und zum anderen wurde daraus Mehl hergestellt.
Dieses wurde mit Getreidemehl vermischt und zu Brot gebacken.
Da vor allem die Bauern viel pflanzliche Nahrung zu sich nahmen, wurden viele Gemüsesorten
als typische Bauernspeisen angesehen und als Symbol der bäuerlichen Nahrung von
den höheren Klassen verachtet. Die Vorstellung über die hierarchisch gegliederte Welt
kommt auch hier wieder zum Tragen. Gemüse, das ganz nah am Boden oder sogar in der Erde
wächst, wurde vom Adel als minderwertig angesehen. Knollen und Wurzeln standen ganz unten auf der Werteskala, etwas höher standen Kräuter und Sträucher und auf der höchsten
Stufe standen schließlich Bäume. Man dachte tatsächlich, dass je höher eine Pflanze wachse,
desto besser sei die Verdauung der Nahrung. Die Früchte zählten also zu den edlen Speisen,
waren sehr begehrt und galten sogar als Luxus, was sich an den hohen Marktpreisen auch
deutlich zeigte. Besonders beliebt waren Kirschen, Weintrauben, Feigen, Pfirsiche, Äpfel und
Birnen, im Sommer als frische Früchte und das übrige Jahr als Trockenfrüchte.
Dass das Obst tatsächlich eine Herrenspeise war, darauf deutet auch eine Novelle hin. Diese
kurze Erzählung handelt von einem Landeigentümer, der einen Bauern beim Stehlen von
Früchten erwischte und ihn mit folgenden Worten in die Schranken verwies: „’Laß in Zukunft
die Früchte meinesgleichen in Ruhe und iß deine, die da sind Rüben, Knoblauch und
Schalotten mit Hirsebrot.’" So kam die untere Gesellschaftsschicht nur sehr selten in den
Genuss von frischen Früchten. Natürlich gab es aber auch unter den Bauern welche, die in
ihren Gärten Obstbäume gepflanzt hatten, dennoch konnten sie nicht immer frei darüber
verfügen und so blieb ihnen nur das Sammeln von Wildobst. Doch vor allem wurde Obst
und Gemüse in den Klostergärten angebaut. Im Mittelalter waren es auch die Mönche, die
sich als Erste um die Kultivierung von Obstanlagen kümmerten. Der Klostergarten war in drei
verschiedene Gärten eingeteilt, in einen medizinischen Kräutergarten, einen Gemüsegarten
und einen Baumgarten, welches schon Quellen des St. Galler Klosterplans aus der Karolingerzeit
belegen.
Bis etwa zum 12. Jahrhundert war es in den Burgen noch so beengt, dass man einen Garten
nur außerhalb der Burg, in der nähren Umgebung anlegen konnte. Erst als die Burgen dann
mit dem 12. Jahrhundert allmählich größer wurden, wurden innerhalb der Burgmauern
Nutzgärten angelegt. In einem Belagerungsfall war somit die Versorgung der Verteidiger
gewährleistet. Solche Burggärten erfüllten daher eine vorwiegend praktische Funktion, bis im
Spätmittelalter der anfangs bescheidene Garten zum „Lustgarten" wurde.
Zusammengefasst kann man sagen, dass vor allem von der ländlichen Bevölkerung, den eher
Ärmeren in der Stadt und in den Klöstern Gemüse und Hülsenfrüchte verzehrt wurden. Obst
war vor allem beim Adel sehr beliebt.
2.1.5. Milchprodukte
Eier, Milch und Milchprodukte waren sowohl Bestandteil der bäuerlichen als auch der
herrschaftlichen Ernährung. Dennoch war vor allem die Butter sehr lange Zeit der Oberschicht
vorbehalten, bis sie seit dem Hochmittelalter auch dem einfachen Volke zugänglich
war. In die Butter wurde meistens auch Salz getan, damit sie länger haltbar blieb und sich so
auch zum Export eignete. Im Spätmittelalter wurde die Butter manchmal sogar mit Ingwer
und Zimt gewürzt.
Die Viehbauern und Hirten, die keine Getreidewirtschaft betrieben, ersetzten diese Erzeugnisse
oft durch Milch und Milchprodukte in Form von Butter und Käse. Beim Weidevieh
kümmerte sich der Hirte um das Melken und die Verarbeitung der Milch, während bei der
Stallwirtschaft die Bäuerin diese Aufgaben übernahm. In den Klöstern wurden von den
asketisch lebenden Mönchen, die auf Fleischnahrung verzichteten und sich ersatzweise von
Milchprodukten und pflanzlichen Erzeugnisse ernährten, Impulse zur vermehrten Butterherstellung
gegeben.
2.1.6. Kräuter und Gewürze
Kräuter und Gewürze spielten in der mittelalterlichen Ernährung eine große Rolle. Doch
überwiegend nur in der Oberschicht. Das Essen der Armen war vermutlich sehr fad und
eintönig, wenn überhaupt konnten es sich die einfachen Leute nur leisten ihr Essen mithilfe
von einheimischen Kräutern zu verfeinern. Zu den einheimischen Kräutern zählten zum
Beispiel Petersilie, Koriander, Dill, Pfefferkraut, Gartenmohn, Kümmel, Liebstöckel und
Salbei. Diese wurden entweder im Garten angebaut oder in der Natur gesammelt. Die
Klöster hatten meist auch einen Kräutergarten, in dem Kräuter gepflanzt wurden. Doch nicht
nur fade Essen wurden damit gewürzt, auch als Heilmittel wurden sie eingesetzt. Der Salbei
galt als Allheilmittel, wohingegen Kümmel und Koriander als Verdauungshilfen verwendet
wurden. Dass die Kräuter sowohl als Heilmittel, wie auch als Gewürz eingesetzt wurden,
zeigt auch ein Spruch, den Karl der Große über die Kräuter gesagt haben soll. Die Kräuter
sind „die Freunde der Ärzte und der Stolz der Köche."
Die reiche Oberschicht brauchte sich nicht nur auf die einheimischen Kräuter zu beschränken,
denn sie war auch in der Lage sich reichlich mit teuren orientalischen Gewürzen zu versorgen.
Diese waren sehr beliebt und kamen über den Fernhandel nach Europa. Ein möglicher Grund
für deren Beliebtheit könnte sein, dass die Kreuzfahrer nicht mehr auf die Gewürze verzichten
wollten, die sie im Orient schon gewohnt waren. Seit dem 10./11. Jahrhundert vergrößerte
sich der Gewürzhandel sehr stark und es konnten so große Handelsstädte entstehen. Zu den
beliebtesten Importgewürzen zählte Pfeffer und Safran. Daneben wurde noch Zimt,
Kardamon, Gewürznelken, Muskatnuss und Ingwer importiert. Doch die Menge an Pfeffer,
die importiert wurde ist nicht von den anderen Gewürzen zu übertreffen, denn „1 Million Kilo
Pfefferimport pro Jahr stand etwa 1 Million Kilo Import aller anderen Gewürze gegenüber."
Mithilfe des Pfeffers kamen einige Fernhandelsfamilien zu Reichtum.
Den absoluten Luxus stellte der Safran dar. Dieser kostete ein Vermögen, da man hunderttausende
Narben des Crocus sativus brauchte um gerade einmal ein Kilo Safrangewürz zu
erhalten. Er war sogar so wertvoll, dass er mit Gold aufgewogen wurde. Verteuert wurde er
zudem noch auf der weiten Strecke durch die zahlreichen arabischen Zwischenhändler. So
waren 500 Gramm Safran ungefähr so viel wert wie ein Pferd. Safran wurde nicht nur zum
Würzen verwendet, sondern auch um die Speisen zu färben. Zusätzlich wurde es als Potenzsteigerungsmittel
sehr geschätzt.
Ein für den Menschen unverzichtbares Gewürz war das Salz. Deshalb wurde es zu einem
wichtigen Handelsgut. Nicht umsonst wurde Salz als weißes Gold bezeichnet. Es wurden
sogar Kriege aufgrund des Salzes geführt. Jeder wollte am Handel beteiligt sein und so
erhoben Landesherren einen Salzzoll auf den durchkommenden Transport. Als Gegenleistung
garantierten sie Schutz vor Überfällen. Im 12. Jahrhundert führte eine wichtige Salzhandelsstraße
nahe an dem heutigen München vorbei. Heinrich der Löwe wollte daraus Profit
schlagen und zerstörte die Brücke an der Isar um die Zollstation nach München zu verlegen.
Von diesem Zeitpunkt an bekam Heinrich der Löwe das Zollgeld und aus einer kleinen
Siedlung wurde eine wichtige Salzhandelstadt. Ohne das Salz gäbe es München vielleicht
heute nicht. Der Handel mit Salz im hohen Mittelalter war aber noch ziemlich unorganisiert,
deshalb war es sehr teuer.
Insgesamt waren die Gewürze echte Luxusgüter und daher nur einer kleinen Oberschicht
vorbehalten. Doch diese verwendete sie für unsere heutigen Verhältnisse in ungewöhnlich
großen Mengen. Als sorgfältiges Abschmecken kann dieser verschwenderische Umgang mit
den Gewürzen nicht bezeichnet werden. In den Kochbüchern ist auch nie nur von einem
Gewürz die Rede, sondern gleich von einer ganzen Menge an verschiedenen Gewürzen. Die
Gründe für den hohen Gewürzverbrauch waren vielfältig.
Ein Grund war sicherlich, dass die teuren Gewürze im Mittelalter als Statussymbol galten.
Der Adel konnte seinen Reichtum also am besten zur Schau stellen, wenn er
verschwenderisch mit den kostspieligen Gewürzen umging. Aber vor allem auch die
Stadtbewohner und Bürger demonstrierten hiermit ihren sozialen Aufstieg. Das Ansehen der
Speisen stieg mit der Schärfe und es galt als höchste Kochkunst den ursprünglichen Geschmack
der Speisen völlig zu überdecken.
Mit den unterschiedlichsten Gewürzen wurden sie zusätzlich noch in verschiedene Farben
gefärbt. Man wollte aber nicht, wie oft behauptet wird den verdorbenen oder alten Geruch
des Fleisches mit den Gewürzen überdecken. Denn wer sich so viele teure Gewürze leisten
konnte, der gab sich bestimmt nicht mit minderwertigem Fleisch zufrieden. Außerdem war
den Menschen damals auch schon die Gefährlichkeit von schlecht gewordenem Fleisch
bewusst. Vielmehr wollten sie den starken Salzgeschmack, der durch die Konservierung mit
Salz entstand, überdecken. Zudem führte der Glaube an die heilende Wirkung auch häufig
zum hohen Gebrauch. Ebenfalls ist es möglich, dass durch die langen Transportwege die
ätherischen Öle der Gewürze zum größten Teil verflogen sein könnten und so der typische
Geschmack erst mit einer deutlich größeren Menge erreicht werden konnte.
Der verschwenderische Umgang mit den Gewürzen endete erst im Verlauf des 16. Jahrhunderts.
Von da an betonte man wieder mehr den Eigengeschmack der Nahrungsmittel,
anstatt ihn zu übertönen.
2.1.7. Süßungsmittel
Honig war damals der einzige Süßstoff, denn Zucker gab es erst im 14. Jahrhundert. Somit
kam ihm eine wichtige Funktion zu. Denn Honig war nicht nur geeignet um den Speisen die
nötige Süße zu verleihen, sondern auch zur Konservierung. In der Medizin wurde der Honig
auch zur Wundbehandlung und bei Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt.
Im Hochmittelalter verstärkte sich die Hausbienenhaltung in Westeuropa, da immer mehr
Wald zugunsten des Getreideanbaus gerodet wurde und somit der Lebensraum der Wildbienen
eingeschränkt wurde. Als Rohstoff lieferte die Biene aber nicht nur Honig, sondern
auch Wachs für Kerzen oder für das Imprägnieren von Stoffen. Die Bienenzucht wurde
häufig von den Bauern als Nebenbeschäftigung ausgeführt. Doch sie mussten sehr oft Wachsund
Honigzinsen an ihre Grundherren zahlen.
2.2. Getränke
Wie auch die Nahrungsmittel gehören die Getränke zu unseren alltäglichen Bedürfnissen.
Was in einer Gesellschaft im Hochmittelalter getrunken wurde, hing damals von der
finanziellen Lage, der gesellschaftlichen Stellung und auch von der damaligen Situation ab.
Man kann also Unterschiede bei den Getränken im Hochmittelalter zwischen den Herren und
den Bauern feststellen. Neben Wasser standen auch andere Getränke zur Verfügung, um den
Durst zu stillen.
2.2.1. Wasser
Die Beschaffung von Wasser im Hochmittelalter war auf dem Land aus Quellen, Flüssen oder
Brunnen nur selten ein Problem. Innerhalb der Städte kam es oft zu Schwierigkeiten, weil
lange Zeit auf öffentliche Hygiene kein Wert gelegt wurde. Die Gewässer waren durch die
Abfälle von Tier und Mensch stark verschmutzt. Viele Brunnen und Quellen stellten
unsauberes Wasser zur Verfügung. Es gelang nämlich viel Abwasser in Quellen und Flüssen,
sodass der Verbrauch des Wassers oft zu einer Vergiftung, oder sogar zum Tode führte. Sogar in den Klöstern war kaum reines Wasser vorzufinden. Deshalb mussten die Menschen im
Hochmittelalter zu alternativen Getränken (wie z.B. Bier oder Wein) zurückgreifen. Das
Wasser wurde sehr selten pur getrunken, sondern mehr als Rohstoff bei der Bierherstellung
verwendet.
2.2.2. Bier
Das Bier zählte im Hochmittelalter als das wichtigste Volksgetränk. In vielen Haushalten und
einschließlich auf Burgen wurde selber für den eigenen Verbrauch gebraut. Die
Bierherstellung variierte regional, doch das Prinzip hat sich bis heute noch nicht verändert.
Als erstes wurde Getreide eingeweicht und im Wasser zum Keimen gebracht. Anschließend
fügte man das Ferment Diastase hinzu, was die Umsetzung von Zucker in Stärke bewirkte.
Daraufhin wurde die so erhaltene Masse bei einer Temperatur von 75 Grad Celsius getrocknet
und gedarrt. Die entstandene Malzmasse wurde wieder in Wasser aufgeschwemmt. Man gab
maximal noch die zehnfache Getreidemenge hinzu. Danach folgte das Auspressen der
entstandenen Maische. Unter Zusatz von Hopfen oder anderen Stoffen wurde die Bierwürze
zum Bier verschiedener Sorten vergoren. Später hat man die Bierwürze auch unter Zusatz von
Hefe vergoren, wodurch die Haltbarkeit verlängert werden konnte. Die Gärung dauerte
allerdings einige Tage. Das fertige Bier wurde in großen Fässern aufbewahrt.
Durch verschiedene Produktionstechniken und durch die Verwendung zahlreicher,
verschiedener Getreidesorten (Gerste, Weizen, Roggen, Hafer) und verschiedener Geschmacksstoffe konnten innerhalb einer Stadt viele verschiedene Biersorten hergestellt
werden, welche nach Stärke und nach Preisgruppen unterschieden wurden. Der „dritte
Abzug" des verbrauten Malzes war meist das billigste Bier. Nach Länge des Darrvorgangs
konnte man „Rotbier" oder „Weißbier" herstellen. Die wichtigsten unter den zahlreichen
Biersorten waren Lagerbier, Bockbier, Ale, Altbier, Schankbier und Pils.
Die meisten Höhergestellten jedoch verzichteten auf den Bierkonsum, da das Bier als
unhöfisches Getränk galt. Es wurde hauptsächlich vom niederen Volk, den Bauern, den
Fahrenden, und den Mönchen, getrunken. Die Bauern und Tagelöhner nahmen sogar auf jeden Acker Bier als Vesper mit. Das Bier war sehr gehaltvoll, sodass ein Teil der Nahrung
damit ersetzt werden konnte. Und mit der Bierherstellung konnte man auch minderwertiges
Getreide verwerten, das man sonst verbrannt hätte. Im Hochmittelalter hatte das Bier
weniger Alkoholgehalt als heute, sodass die Menschen es unbeschwert in großen Mengen
konsumieren konnten. Auch Kindern wurde es aufgrund ihres niedrigen Alkoholgehalts und
in mit Wasser verdünnter Weise (Dünnbier) als angemessenes Getränk gesehen.
2.2.3. Wein
Der Wein hatte unter allen mittelalterlichen Getränken eine besondere Stellung. Er wurde als
„etwas Hochedles, kostbares geschätzt" und gehörte bei Adligen vor allem zur festlichen
Mahlzeit dazu.
Die mittelalterlichen Weinreben waren damals, im Vergleich zu heute, qualitativ und
quantitativ recht unergiebig. Deshalb mussten sie schon recht früh geerntet werden, um
mögliche Fäulnis zu vermeiden. Im Hochmittelalter wurde sogar in nördlicheren Regionen
Deutschlands geerntet, wo heute keine Reben gedeihen könnten. Dies lässt sich auf die
besseren klimatischen Bedingungen im Hochmittelalter zurückführen.
Die Trauben wurden meist in hölzernen Bottichen gelagert und mit den Füßen ausgepresst,
wobei nicht wirklich auf die Hygiene geachtet wurde. Sogar das Verbot des Traubenauspressens
mit den Füßen von Karl des Großen am Anfang des Mittelalters wurde im ganzen
Mittelalter nicht berücksichtigt. Es kam sogar vor, dass an kalten Herbsttagen die Arbeiter die
Trauben mit ihren Stiefeln zertraten.
Die Qualität und der Geschmack des Weins musste durch Zusatz von Honig oder einer
Vielzahl von Gewürzen (z.B. Pfeffer) verbessert werden. Dadurch konnte auch die Haltbarkeit
des Weins verlängert werden. Jedoch wurden die Weine im Gegensatz zu heute nicht
lange gelagert, weil man im Hochmittelalter die Geschmacksverbessernde Kellerlagerung in
Jahrgängen noch nicht kannte. Sie waren auch im Gegensatz zu heute mehr als Tagesgetränk
gedacht und wurden nicht, wie heute, nur an besonderen Tagen konsumiert. Man konnte im Hochmittelalter auch eine soziale Hierarchie durch die Qualitätsabstufungen des Weines
feststellen. Das niedere Volk (Bauern) konnte sich meist nur den sauren, minderwertigen
Wein am Markt leisten. Den minderwertigen Wein nannte man auch „Nachwein" oder
Tresterwein, der durch erneutes Auspressen der Traubenreste gewonnen wurde. Die erste
Pressung war für die Adligen bestimmt. Manche Familien konnten sich den Wein auch gar
nicht leisten. Daher wurde der Wein hauptsächlich von den Adligen getrunken, die vor allem
Weißweine bevorzugten. In den höheren Ständen trank man neben einheimischen Weinen, die
meistens sehr sauer waren, auch französische, italienische, spanische, später auch griechische
Weine. Dabei bevorzugten die Adligen die schweren Südweine, vor allem den Zypernwein.
Außerdem wurden Maulbeerweine und Fruchtweine gerne getrunken.
Obstweine, wie Apfel- und Birnenweine, hingegen wurden von den Reichen eher als unedel
betrachtet und mehr von Bauern geschätzt. Sogar um die Klöster herum wurde vermehrt Wein angebaut. Den Mönchen war es durchaus
erlaubt, Wein zu trinken, weil der Wein eine symbolische Bedeutung im Christentum hat.
Er symbolisierte das Blut Christi. Daher wurde der Weinbau im Hochmittelalter durch die
Klöster gefördert.
2.2.4. Met
Der Met, auch Honigtrank, nahm eine Mittelstellung zwischen Wein und Bier ein. Der Met
ist ein weinähnliches Getränk, das aus vergorenem Honig und Wasser besteht. Er wurde
aus Honig und Getreide gewonnen und hauptsächlich von den Reichen konsumiert. Seit
dem 13. Jahrhundert wurde Met auch von den Bauern getrunken. Jedoch wurde er durch
den Konsum von Wein und Bier verdrängt.
2.2.5. Nichtalkoholische Getränke
Nichtalkoholische Getränke, wie Milch und Fruchtsäfte, hatten natürlich auch ihren Anteil am
Getränkekonsum im Hochmittelalter, nur schlägt sich ihr Verbrauch kaum in schriftlichen
Quellen nieder.
2.3. Zubereitung
Die Kochkunst des Hochmittelalters unterschied sich sehr von unseren heutigen Essgewohnheiten.
Es entwickelte sich eine eigenständige Küche, die von verschiedenen
Faktoren, wie Hungersnot, Verschwendungssucht der Adligen und den Ernährungsvorschriften
geprägt war.
Die Zubereitung verschiedener Speisen und die Ausrüstung der Küchen hingen im Hochmittelalter
besonders von der gesellschaftlichen und finanziellen Stellung der Menschen ab.
Während die einfache Küche meist von Kesselgerichten geprägt war, bemühten sich die
Köche der Reichen, verschiedene, aufwendige Speisen zuzubereiten.
2.3.1. Küchenausstattung
Die Küchenausstattung der armen und reichen Bevölkerung unterschied sich sehr von
einander. Die armen Haushalte besaßen, sowohl auf dem Land, als auch in der Stadt, keine eigene
Küche. Es war meist nur eine offene Feuerstelle inmitten des Hauses vorzufinden, die eine
Kochmöglichkeit bot, aber auch für Licht und Wärme sorgte. An Kochgeschirr war in armen
Haushalten auch nur das Nötigste vorhanden, wie Krüge und Töpfe aus Ton oder Keramik,
eine eiserne oder irdische Pfanne, und ein Metallkessel.
Im Gegensatz dazu hatten die wohlhabenden Haushalte und Kloster sehr gut ausgestatte,
gewaltige Küchenanlagen. Die technische Qualität der Küchen wurde seit dem 11. Jahrhundert
wesentlich gesteigert. Die einfachen Herdstellen früherer Jahrhunderte wurden von
meist kniehoch gemauerten Feuerplatten aus Ton oder Stein ersetzt. Außerdem besaß die
vornehme Küche ein Herd zum Backen, eiserne Rosten, Feuerblöcke und Bratspieße, einen
großen Holzblock zum Schneiden und Klopfen von Fleisch, Kupfer- und Messinggeschirr,
aber auch vielerlei Töpfe und Pfannen in allen Größen. Ebenso zählte auch dreifüßige Bratspießhalter, Pfannenhalter, Kesselhalter, und Kettengewinde zur Küchenausstattung der
Reichen. Es wurden auch kleine Rauchabzüge in der Decke gebaut, um die Entlüftung der
Küche teilweise zu verbessern.
In solchen Küchen arbeiteten im Mittelalter eine Vielzahl von Köchen und Küchengehilfen,
deren Aufgabe in der täglichen Speisenzubereitung für ihre Herren bestand.
Hauptkochgerät in allen Schichten der Bevölkerung war der große Kessel aus Eisen,
Bronze, Messing oder Kupfer, der an schweren Ketten über der Feuerstelle hing. In den
reichen Küchen waren die Ketten, an denen die Kessel hingen, verstellbar. Man konnte
bereits mit solch einem einfachen Kessel eine komplette Mahlzeit, die aus mehreren,
unterschiedlichen Teilen bestand, zubereiten. Das Fleisch wurde zum Beispiel im
siedenden Wasser gedarrt, darüber wurden zum Beschweren Bretter gelegt, auf dem ein
Gemüsetopf stand, und am Griff des Kessels wurde ein Pudding, in einem Tuch eingehüllt,
befestigt.
Ein weiteres wichtiges Küchengerät im Hochmittelalter war der Mörser mit Stößel, der in
dieser Zeit meist aus Stein oder Eisen hergestellt wurde. Mithilfe eines Mörsers konnten
verschiedene Lebensmittel zerstoßen werden. In jeder Küche war der Mörser mehrfach
vorhanden. Es bestand meist jeweils ein spezieller Mörser für die Herstellung von Mandelmilch,
für Gewürze, für Reis, für Mehl. Die speziellen Fleischmörser hatten sogar Maße von
20-30cm Innenranddurchmesser und Tiefe und meist einen Gewicht von 50kg.
Im Laufe des Mittelalters entstanden immer weiter verfeinerte eiserne Geräte wie
Schnürhaken, Messer, Löffel, Siebe, Raspeln, Pfannen, usw. Gabeln waren im Hochmittelalter
noch nicht im Gebrauch. Obwohl Bestecke vorhanden waren, wurden sie beim
Essen selten oder gar nicht benutzt. Man benutze höchstens den Messer, um das Fleisch zu
schneiden, den die Gäste immer selber mitbrachten. Ansonsten wurden die festen Speisen und
dickflüssigen Suppen mit den Händen gegessen. Deshalb wurde auch viel Wert auf das
Händewaschen vor den Mahlzeiten gelegt. In den reichen Schichten brachte man es sogar so weit, dass den Gästen während den Mahlzeiten mehrmals Wasser zu Hängewaschen und
Handtücher gereicht wurde.
Sogar auf dem Tisch unterschied sich die Ausstattung je nach Wohlstand. Als Teller
benutzten Bauern runde, flache Brote, die nach der Speise aufgegessen wurden. Die
wohlhabenden Bürger und Ritter besaßen kleinere Schüssel aus Zinn. Bei festlichen Anlässen
wurden sogar Tafeln aus Silber verwendet.
Der Kachelofen wurde erst seit 1100 vereinzelt auf Burgen genutzt. Seit ca. Ende des
Hochmittelalters wurde er Bestandteil der Küchenausrüstung auf jedem Kloster, auf jeder
Burg und in vielen städtischen Häusern der Oberschicht.
Seit dem 13. Jahrhundert wurden auch vereinzelt Dampfdrucktöpfe verwendet. Sie besaßen
figürlich ausgebildete Deckel, die innen hohl, allerdings im oberen Teil des Deckels mit einer
Kammer versehen waren. Im unteren Teil des Deckels waren mehrere Löcher vorhanden. Im
ganzen Hohlraum des Deckels befanden sich viele Tonkügelchen und die Augen und der
Mund der Figuren besaßen Löcher und waren damit durchlässig. Mithilfe dieses Kochtopfes
konnte die Garzeit deutlich verringert werden, weil beim Kochen der schwere Deckel den
ganzen Wasserdampf im Topf hielt, sodass Temperaturen mehr als 100 Grad Celsius erreicht
werden konnten. Beim Erreichen eines bestimmten Druckes wurden die Tonkügelchen nach
oben gedrückt, sodass die Löcher frei wurden und dass ein Teil des Dampfes durch die
Löcher in den Augen und dem Mund der Figur entweichen konnte.
Die Qualität der Kücheneinrichtungen war ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Vielfalt
der Gerichte, die dort zubereitet wurden, aber auch für die Art der Zubereitung.
Zubereitungstechniken
Trotz der Verbesserungen der Kochstellen wurde im Hochmittelalter meist über offenen
Feuerstellen gekocht, was die Garmöglichkeiten deutlich einschränkte. Die Menschen besaßen
damals noch keinen modernen Herd wie heute, bei der eine feine Hitzeregelung
möglich ist. Dies wirkte sich natürlich auf die Kochzeiten deutlich aus. Komplizierte
Gerichte konnten nur nach stundenlangem Aufwand zubereitet werden. Eine Pastete aus 50
Pfund Fleisch und Fett beispielsweise brauchte etwa 9 Stunden bis es „fein genug" gekocht
wurde. Die Kochzeit war damals im Allgemeinen wesentlich länger als heute, weil die Speisen, vor allem das Fleisch, gerne sehr weich gekocht wurden. Das Gemüse
beispielsweise wurde meist zu Brei zerkocht.
Die langen Kochzeiten lagen nicht an der schlechten Hitzregelung, sondern Grund dafür
waren einerseits die hygienischen Befürchtungen und andererseits die schlechten Zähne der
Menschen dieser Zeit. Dies führte dazu, dass, trotz der inhaltsreichen Zutaten, der Nährwert
der Speisen herabgesetzt wurde, weil von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen
nicht viel übrig blieb. Zudem wurden beim Kochen, durch die Verbindung säurehaltiger
Speisen und dem verwendetem Kochgefäß aus Bronze oder Kupfer, Schwermetalle
freigesetzt, wodurch ebenfalls der Nährwert des Essens herabgesetzt wurde.
Zu der Speisenzubereitung der armen Bevölkerung im Hochmittelalter gibt es im Vergleich
zur reichen Bevölkerungsschicht nur sehr wenige schriftliche Quellen. Dagegen bieten
Kochbücher, Einkaufslisten, Haushaltbücher, Inventarlisten und Tischzuchten viel Auskunft
über die vornehme Küche.
Die Kochkunst der niederen Bevölkerung beschränkte sich meist nur auf das Kochen, was
damals die einfachste und sparsamste Methode war. Sie bereiteten solide Speisen wie
Getreidebrei und Gemüsesuppe, gesottenes Fleisch und gedünsteten Fisch zu, indem sie sie in
einem Kessel mit Wasser über dem Feuer garten. Auf den Geschmack legten sie dabei keinen
besonderen Wert, weil es ihnen mehr darum ging überhaupt etwas zu essen zu haben. Die
Bäuerinnen hatten beispielsweise auch nicht viel Zeit für die Speisenzubereitung, weil sie den
ganzen Tag arbeiten mussten. Deshalb kochten sie meistens auch am Sonntag für die ganze
Woche, sodass die Speisen an den Werktagen nur noch aufgewärmt werden mussten. Im
Allgemeinen bestand eine Bauernmahlzeit aus grober und nahrhafter Kost. Auf Gebratene
und Gebackene Gerichte mussten die Bauern verzichten, weil die entsprechenden
Vorrichtungen und Zutaten in ihren Küchen fehlten. Die strenge Klosterspeise unterschied
sich meist nicht wirklich von der Bauernspeise.
Das Braten in heißem Fett und das Backen waren aufwendiger und meist von der „Kunstfertigkeit
des Kochs" abhängig. Diese Zubereitungsmethoden waren zudem auch sehr
teuer, weil man außer den Grundsubstanzen noch weitere Zutaten, wie beispielsweise Fett und
Gewürze, benötigte. Da durch die Zugabe von Fetten und Aromen beim Braten ein kräftigerer und vielfältigerer Geschmack entsteht, wurden gebratene Gerichte im Vergleich zu gekochten
Gerichten mehr bevorzugt. Deshalb waren die Menschen im Hochmittelalter auch davon
überzeugt, dass das Braten und Backen die Nahrungsmittel zu etwas „Höherwertigem"
machen würde. Wichtige Speisen wie beispielsweise Festspeisen wurden fast ausschließlich
gebraten oder gebacken. Die Zubereitungsmethoden Braten und Backen waren daher den
Adligen vorbehalten.
Die Speisen der Adligen waren im Vergleich zur Bauernspeise leichter. Die Speisenzubereitung
der reichen Küche im Hochmittelalter war im Allgemeinen sehr kompliziert und
aufwendig. Die Köche der reichen Haushalte bemühten sich verschiedene, aufwendige
Gerichte mit ausgefallenen Geschmäcken zu kreieren. Sie waren nicht darauf bedacht, wie wir
heute, den natürlichen Eigengeschmack der Nahrungsmittel zu fördern oder herauszubilden,
sondern versuchten dies mit verschiedenen Methoden zu verändern, zu überdecken und
nahezu unkenntlich zu machen, „je stärker, desto vornehmer". Viele Nahrungsmittel
wurden zerstampft, püriert, überwürzt, sogar parfümiert. Man verwendete süße und saure
Zutaten wie Honig und sauren Wein zur Veränderung des Geschmacks. Dabei wurden süße
und salzige Gewürze willkürlich eingesetzt. Neben den einheimischen Gewürzen wurden die
teuren, orientalischen Gewürze verwendet, die durch den Fernhandel an die Höfe gebracht
wurden. Nüsse, Feigen, Datteln, Ingwer, Mandeln und Rosinen, ebenso aus dem Ausland,
wurden für die Zubereitung verschiedener Desserts benutzt. Süße und salzige Speisen
kamen gleichzeitig auf den Tisch, ohne dabei auf die Geschmacksrichtungen zu achten.
Die Köche hatten außerdem eine merkwürdige Angewohnheit entwickelt, vor dem Braten
vorzukochen und vor dem Kochen vorzubraten. Fleischspeisen wurden zudem auch gerne
in scharf gewürzten Saucen serviert.
Durch die verschiedenen Kombinationen der Zutaten entstanden ungewöhnliche und seltsame
Geschmacksrichtungen. Der Grund für solche ungewöhnliche Gewürzmengen wurde unterschiedlich begründet. Zum eine glaubt man, dass die Menschen durch das Überwürzen altes
oder durch Pökeln und Räuchern nur noch hart und salzig schmeckendes Fleisch schmackhafter machen konnten. Zum anderen glaubt man, dass die Menschen durch den
verschwenderischen Gebrauch von exotischen Gewürzen seinen Reichtum demonstrieren
wollten. Es werden auch medizinische Gründe, wie Verbesserung der Verdauung,
angenommen.
Die Nahrungsmittel wurden im Hochmittelalter nicht nur im Geschmack und Geruch, sondern
auch in der Farbe und in der Form verändert, sodass beispielsweise vergoldete Gerichte keine
Seltenheit waren. Die Speisen wurden mithilfe von Safran, Sandelholz, Kräuter und
Maulbeeren rot, grün, blau und gelb gefärbt. Die Veränderung der Form war vor allem
während der Fasttage besonders nützlich. Somit konnten anstelle des verbotenen Fleisches
eine wenigstens in der Form ähnliche Ersatzspeise gegessen werden. Es konnte beispielsweise
Fischsülze in die Form eines Schweinekopfes gebracht und serviert werden.
Im Hochmittelalter wurden die Nahrungsmittel auch konserviert. Dazu kannte man
verschiedene Methoden, wie das Trocknen, das Räuchern, das Beizen und das Einsalzen.
Auch die Verarbeitung des Fleisches zu Würsten war eine Konservierungsmethode. Magere
Fleischsorten und Fische, Erbsen, Bohnen, Linsen, Äpfel, Birnen, Weinbeeren, Kirschen und
Pflaumen gehören zu den Nahrungsmitteln, die getrocknet oder im Ofen gedörrt wurden.
Dagegen wurden fettere Fleischsorten, Würste und Fische geräuchert. Zum Einsalzen oder
Pökeln eigneten sich Fische, Fleisch, dicke Bohnen und Erbsen. Durch Einsäuern konnte auch
der Kohl längerfristig haltbar gemacht werden.
Die Köche der reichen Haushalte hatten zudem auch eine große Vorliebe für Püriertes und
vermieden das zähe Fleisch von großen Tieren. Die Nahrungsmittel wurden oft mit dem
Mörser verarbeitet. Fleisch und Fisch wurden beispielsweise nachdem sie gekocht und
gebraten wurden, klein geschnitten, anschließend im Mörser zerstoßen, gerieben und püriert.
Somit konnten auch die zähen Stücke und die sonst ungenießbaren Innereien genießbar
gemacht werden. Danach wurden noch verschiedene Zutaten wie gemahlene Nüsse,
Rosinen, Eier, Gewürze und Kräuter hinzu gegeben. Anschließend wurde es noch gefärbt und
in die Form von Küchlein gebracht und dann in heißem Fett gebraten. Die Köche
versuchten, die Nahrungsmittel so zu bearbeiten, dass keine Erinnerung an den natürlichen
Zustand möglich war. Das Essen war somit undurchschaubar. Die Gäste hatten über die Bestandteile der Speisen wenig Bescheid gewusst, aber dies scheint sie nicht wirklich interessiert
zu haben. Zu den großen Leidenschaften der Köche gehörte es die Gäste sowohl
im Geschmack und Geruch, als auch im Aussehen der Gerichte zu täuschen und zu
verblüffen.
2.3.3. Kochbücher und Rezeptsammlungen
In Klöstern und adligen Häusern wurden im Hochmittelalter viele Kochrezepte
handschriftlich gesammelt. Diese Kochrezepte kann man heute noch unverändert in den
Kochbüchern des 18.Jahrhunderts finden.
Das älteste deutschsprachige Kochbuch des Mittelalters war „daz buoch von guoter spise",
das zwischen 1345 und 1354 niedergeschrieben worden war. Es ist das einzige überlieferte
Kochbuch, das aus dem 14. Jahrhundert stammt. Das Buch enthält neben den 96
Kochrezepten, die Teil eines umfangreichen Hausbuches von Michael de Leone von dem
Löwenhof in Würzburg sind, auch viele Lieder von Reinmar und von Walter von der
Vogelweide.
Die Kochrezepte sind aus einer Sammlung aus dem Hochmittelalter, die scheinbar von
verschiedenen Köchen stammen. Einfache Gerichte, wie Gemüse und Getreidebrei waren in
dem Kochbuch nicht vorzufinden, womöglich weil diese allgemein bekannt waren, und somit
nicht aufgeschrieben werden mussten. Das Kochbuch enthielt vielmehr, wie der Name schon
sagt, die „gute Speise", also die Luxusgerichte der vornehmen Küche.
Zwar waren die Zutaten und die Verarbeitungsvorgänge, wie auch in allen anderen mittelalterlichen
Kochbüchern, genau aufgelistet und beschrieben, es waren jedoch keinerlei Angaben
zu den Mengen und Garzeiten zu finden. Dies stellt natürlich den heutigen Lesern das
Problem die Gerichte genauso wie im Mittelalter nachzukochen. Ein weiteres Problem ist,
dass die Rezeptsammlungen in den adligen Haushalten entstanden sind und somit fast
ausschließlich Festspeisen enthalten. Deshalb kann man über die Ernährung der armen
Bevölkerung nur wenig erfahren.
2.4. Ernährungsvorschriften
Nicht nur die gesellschaftliche Stellung oder die natürliche Bedingung waren ausschlaggebend
für die Essgewohnheiten der Menschen im Hochmittelalter, sondern auch kirchliche
und gesetzliche Ernährungsvorschriften spielten in der Ernährung eine wichtige Rolle.
2.4.1. Fastenzeit
Die Fastenzeiten waren im Hochmittelalter sehr umfangreich. Sie beinhalten die vierzigtägige
Fastenzeit vor Ostern, die drei Bittage vor Christi Himmelfahrt, die vier Quatember (also
jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag zu Beginn jedes Vierteljahres: nach dem 3. Advent,
dem ersten Fastensonntag, nach Pfingsten und nach dem 14. September), die Vorabende der
wichtigsten Heiligenfeste sowie jeden Freitag und Samstag. Durch die hohe Anzahl der
Fasttage, gab es jährlich nicht mehr als 230 Fleischtage.
Im Hochmittelalter unterschied man zwischen strengem Fasten und gewöhnlichem Fasten.
Bei dem strengen Fasten bestand die Mahlzeit nur aus Wasser und Brot, die innerhalb von 4
Stunden verzehrt werden konnten. Bei dem gewöhnlichen Fasten sollte auf den
Fleischkonsum verzichtet werden. Gemüse und Fisch hingegen waren erlaubt. Aufgrund der
zahlreichen Fasttage, die gerne mit Fisch überbrückt wurden, stieg der Verbrauch an Fischen
deutlich. Im Hochmittelalter war nach strenger Auffassung auch der Verzehr von Eiern,
Milch und Milchprodukten, wie Käse und Eier nicht untersagt.
Die Kirche hatte im Hochmittelalter einen hohen Stellenwert, sodass die Fasttage in allen
Schichten der Bevölkerung, vor allem von dem Klerus, größtenteils eingehalten wurden. Den
Adligen fiel es schwer, sich streng an die Fastgebote zu halten. Sie versuchten auf zwei
verschiedenen Wegen den eintönigen Fastspeisen zu umgehen. Zum einen deklarierten sie
beispielsweise Sumpfschildkröten als Fisch, weil diese im Wasser leben. Ebenso bezeichneten
sie Biber als Fisch, weil diese einen schuppigen Schwanz besitzen. Somit landeten
Sumpfschildkröten und Biber gerne im Kochtopf der Adligen.
Zum anderen versuchten die Köche der vornehmen Haushalte im Hochmittelalter, wie bereits
erwähnt, durch die Veränderung der Form, verschiedene Gerichte im Aussehen an die
Fleischspeisen anzugleichen, indem sie „Scheingerichte aus Mehl, Ei, und Fisch" herstellten.
Da der Fisch ein Luxuskonsumgut war, konnte je nach Häufigkeit des Verzehrs die gesellschaftliche Stellung der Konsumenten ausgedrückt werden.
Außer den Fasttagen kannte man im Hochmittelalter auch einen speziellen Verbot, der nur an
die Mönche gerichtet war. Nach der Benediktregel war es den Mönchen verboten das Fleisch
vierfüßiger Tiere zu essen. Der Klerus konnte Fleisch aller Art konsumieren. Nach langer
Strittigkeit wurde festgelegt, dass Geflügel nicht zu den vierfüßigen Tieren zählte, weil diese
anscheinend am selben Tag wie die Fische geschaffen worden waren, und somit der Verzehr
ihres Fleisches erlaubt war.
2.4.2. Luxusgesetze
Damit die Speisen der Bevölkerung auch ihrer gesellschaftliche Stellung angepasst wurden,
und um einen Überblick über die ständische Ordnung bewahren zu können, wurden von den
Herren so genannte „Luxusgesetzte" aufgestellt, in denen genau festgelegt wurde, welche
Speisen in welchen Mengen serviert werden durften.
Durch das Aufstellen dieses Gesetzes sollte auch die übertriebene Verschwendungssucht der
Adligen unter Kontrolle gehalten werden. Später konnte mit diesen Gesetzen auch der
gesellschaftliche Aufstieg von Bürgern, die durch den beruflichen Erfolg gewissen Wohlstand
erlangt hatten, erschwert werden. Beim Verletzten der „Luxusgesetze" folgte dann meist eine
Geldstrafe.
2.5. Missstände in der Ernährung
Die Ernährung im Hochmittelalter war geprägt von immer wiederkehrenden Hungersnöten,
Völlerei, sowie üppigen Gelagen. Während besonders die Armen und unteren Schichten
gegen Hunger und Missernten kämpften, zeichnete sich der Adel vielmehr durch Völlerei,
Maßlosigkeit und verschwenderische Festessen aus.
2.5.1. Hungersnöte
Im Angesicht der vielbekannten Feste und Schlemmereien könnte man den Eindruck
gewinnen, dass die Menschen im Hochmittelalter nicht unter Versorgungsproblemen litten.
Doch diese Vorstellung des Mittelalters erweist sich als völlig falsch. Verheerende
Hungersnöte schwächten die Bevölkerung und führten zu Krankheit und Tod.
Damals sahen die Menschen in einer Hungersnot ein direktes Eingreifen Gottes, welches eine
Strafe für die Sünden der Menschen darstellen sollte. Es konnte aber auch sein, dass nicht
Gott, sondern böse Mächte für eine Hungersnot verantwortlich waren. Auch die Sünde eines
Einzelnen konnte zu einer allgemeinen Notlage führen. Der übernatürliche Ursprung einer
Hungersnot zeigte sich damals zufolge aber nicht nur in der Katastrophe des Hungers selbst,
sondern auch indem was ihr voraus ging. Die Menschen glaubten an eine Warnung vor dem
Unglück, damit sie Buße tun konnten und der Tod sie somit nicht unvorbereitet überraschte.
Fast jede Hungersnot wurde also dem Glauben der damaligen Menschen zufolge, durch eine
Himmelserscheinung eingeleitet. Kometen, Mondfinsternisse, Sonnenfinsternisse und
Nordlichter waren alles Indizien für eine bevorstehende Hungersnot oder eine andere
Katastrophe wie Krankheiten oder Überschwemmungen.
Der tatsächliche Grund für die Entstehung einer Hungersnot lässt sich aber meistens auf eine
Missernte zurückführen. Ein Hagelschauer, langer schneereicher Winter oder eine Überschwemmung führten schnell zu einer ungenügenden Ernte und somit zu erheblichem
Getreidemangel. Die Bauern lebten vor allem von dem, was auf dem eigenen Feld angebaut
wurde. Man lebte also sozusagen von der Hand in den Mund und war nicht daran interessiert
Überschüsse zu erzielen, welche bei einem Verkauf sowieso kaum Geld eingebracht hätten.
Für Zeiten des Notstandes besaß man also keine Lebensmittelüberschüsse oder Geld, mit dem
man hätte Nahrung kaufen können.
Wesentlich sicherer und besser waren dahingegen große Grundherrschaften, reiche Adlige
und insbesondere Klöster gestellt. Sie wurden durch Unwetter und die daraus folgenden
Missernten nicht so schwer getroffen wie beispielsweise die einzelnen Bauern. Große
Länderreihen und Geld ermöglichten ihnen die Auswirkungen einer Hungersnot so gering wie
möglich zu halten. Auch konnten Ernährungsengpässe in einer bestimmten Region durch
Erträge in anderen Gebieten ausgeglichen werden. Der durch schlechte Ernten hervorgerufene Getreidemangel führte meist zu einer schlagartigen Erhöhung der Getreidepreise. Viele
Bauern konnten diese hohen Preise nicht bezahlen und waren somit auch nicht mehr
imstande, ihre Familie mit ausreichend Nahrung zu versorgen. Die Folgen waren Krankheit
und Tod.
Aber nicht nur Missernten trugen zu einer Hungersnot bei. Auch andere Ursachen, wie
Viehseuchen und Kriege wirkten bei der Entstehung einer Hungersnot mit. Viehseuchen
schwächten den Tierbestand der Bevölkerung erheblich und gefährdeten so eine weitere
wichtige Nahrungsquelle. Jedoch nicht nur Fleischmangel war die Folge einer Viehseuche,
sondern auch der Verlust von Milch bei einer beispielsweise verheerenden Krankheit unter
Schafen. Außerdem konnten auch Kriege der Grund für die Entstehung einer Hungersnot
sein. Häufig wurden ganze Landesteile verwüstet und somit Äcker und Ernten zerstört.
Auch Plünderungen während des Krieges schwächten die Bevölkerung. Zur Entlohnung ihrer
Anstrengungen war es den Kriegern meistens erlaubt ganze Städte zu plündern.
Letztendlich war der Grund für die Entstehung einer Hungersnot weniger von Bedeutung als
die Tatsache, dass jede Hungersnot eine tiefgreifende Wirkung auf das Leben der
Bevölkerung ausübte. Durch den Nahrungsmangel verschwand für die Menschen „die
Sicherheit für den Bestand der früheren Lebenshaltung des Einzelnen". Die Folge hiervon
war meistens eine Auflösung jeder bestehenden Ordnung. Bauern verließen ihre Höfe,
verzweifelte Menschen durchstreiften in Scharen das ganze Land, ganze Dörfer standen
leer. Die Hungersnot zwang die Bauern also dazu, ihre Heimat, ihr Haus und ihren Hof
zurückzulassen um anderswo Rettung und Hilfe vor dem Hungertod zu finden. Es bildeten
sich teilweise ganze Bettelzüge, die große Entfernungen zurücklegten um bei Adligen oder
reichen Klöstern Hilfe zu erbitten. Die Flucht vor dem Hunger fand meist ohne Ziel und
Plan statt. Nur die Furcht vor dem Tod trieb die Menschen fort von ihrer Heimat und
Existenz.
Aber auch die städtische Bevölkerung blieb vor einer Hungersnot nicht verschont. Aufgrund
der hohen Getreidepreise mussten viele Stadtbewohner sogar ihre Häuser verkaufen um Geld
für Lebensmittel zu bekommen. Teilweise wurde den Armen auch erlaubt, zum Betteln die
Häuser der wohlhabenden Bürger zu betreten. Die Folgen dieser Bestimmung waren oftmals Unruhen, da die Hungernden nicht nur alle greifbaren Lebensmittel an sich brachten, sondern
auch sonstigen Hausrat der Stadtbevölkerung entwendeten, um ihn zu verkaufen oder gegen
Essbares zu tauschen. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, waren unter anderem auch
vor allem Bäckerläden stark von Plünderungen bedroht. So war es machen Bäckern nur
möglich ihre Backware den Käufern aus dem Fenster zu reichen, da sonst ihr gesamtes Hab
und Gut in Gefahr gewesen wäre.
In der Notzeit konnte also nur bestehen wer unmittelbar größere Lebensmittelvorräte besaß,
wie beispielsweise große Grundherren. Auch Bischofskirchen und Klöster besaßen meist
solche Grundherrschaften und so war es ihnen möglich, in Zeiten der Not, neben sich selbst
auch zahlreichen Armen zu helfen. Doch auch zu dieser Zeit gab es Klöster, die es nicht
schafften, solche Krisenzeiten unbeschadet zu überstehen. "Missmanagement" führte bei
einigen Klöstern dazu, dass die Mönche am Ende all ihre Vorräte unter den Hungernden
verteilten und selbst mittellos dastanden. So mussten Mönche zeitweise in reichere Klöster
zur Versorgung übersiedeln. Dennoch war es um die Klöster nie so schlecht bestellt wie um
die hungernden Massen. Ungeachtet des allgegenwärtigen Hungers gab es noch genügend
Mönche, die sich trotz ausreichender Nahrung über die Herabsetzung der Lebenshaltung
beklagten. Neben Mangel an Wein, musste in Notjahren auch mit Schwarzbrot und Gerste
vorlieb genommen werden, welche eigentlich den Armen und unteren Schichten
"vorbehalten" waren.
Diese waren in Notzeiten gezwungen zu allem zu greifen was irgendwie essbar erschien, um
dem Hunger zu entkommen und zu überleben. Es wurden Hunde, Katzen, Esel und Pferde
gegessen, sowie Wölfe, Frösche und Schlangen. Auch das Fleisch bereits gestorbener Tiere
wurde nicht verschmäht. Selbst Wurzeln, Kräuter, Gras, Eicheln, Nussschalen, Ziegelbruchstücke,
Schafsinnereien und Baumrinden aß man gegen den Hunger.(Manche Menschen
zwangen sich sogar hin und wieder ein Stück Baumrinde zu essen, auch wenn keine
Nahrungsmittelknappheit herrschte, da ihnen bewusst war, dass ihr Magen dies nicht würde
verdauen können, wenn sie bei der nächsten Hungersnot wieder darauf angewiesen waren).
Man hielt es zudem für selbstverständlich, dass zwischen den sozialen Schichten Unterschiede
in den Fähigkeiten bestanden, verschiedene Nahrungsmittel zu verdauen. Es wurde
davon ausgegangen, „dass die Armen in Notzeiten von derberer Kost leben konnten". In den oberen Schichten hingegen wurde schon das Essen von Haferbrot als erstes Zeichen der
Not gesehen.
Eine der schlimmsten Erscheinungen welche die Hungersnot mit sich brachte war aber die
„Menschenfresserei". Um dem Hungertod zu entgehen, wurde vereinzelt das Fleisch toter
Menschen gegessen. Auch sind Fälle bekannt, in denen versucht wurde gekochtes Menschenfleisch
auf einem Markt zu verkaufen, aber dies waren Einzelfälle.
Während und nach einer Hungersnot war ein Anstieg der Sterblichkeitsrate nicht allein auf
das Verhungern, also dem Mangel an Nahrungsmitteln, zurückzuführen, sondern auch auf die
verstärkte Anfälligkeit für Krankheiten, die die einseitige und unzureichende Ernährung mit
sich brachte. Daher kann man sagen, dass für die große Anzahl an Todesopfer nicht nur der
Hunger alleine, sondern auch die verschiedenen Krankheiten verantwortlich waren.
Eine weitere Begleiterscheinung von Hungersnöten war das sogenannte „Heilige Feuer".
Diese Krankheit führte zu regelrechten Massenerkrankungen mit tödlichem Verlauf, obwohl
keine Infektionsgefahr durch bereits Erkrankte bestand. Vielmehr waren die
Massenerkrankungen Resultate von Vergiftungen. Diese wurden durch den Verzehr von
Mutterkorn, „der Dauerform eines Schlauchpilzes", der den Roggen befällt, ausgelöst.
Besonders die unteren Schichten ernährten sich im Gegensatz zu den reichen oberen
Schichten, von Roggen. Und so war die Häufung der Krankheitsfälle meist auf den armen
Teil der Bevölkerung beschränkt. Hunger und die Gefahr der Erkrankung standen somit in
unmittelbarem Zusammenhang, da die Witterungsverhältnisse, welche sich ungünstig auf das
Getreidewachstum und somit auf die Ernte auswirkten, förderlich für ein vermehrtes
Auftreten der Mutterkornpilze waren. Deshalb gelangten gerade in Zeiten des Hungers und
der Not große Mengen an Mutterkorn in das Mehl. Das Heilige Feuer, heute auch unter dem
Namen Ergotismus bekannt, erhielt durch die brennenden Schmerzen die den Erkrankten
befielen seinen Namen.
Abschließend zu diesem Kapitel kann man also sagen, dass die unteren Schichten wesentlich
stärker unter einer Hungersnot zu leiden hatten als die oberen Schichten. Sie besaßen nicht
nur weniger Nahrungsmittel, sondern mussten auch gegen Krankheiten ankämpfen, um in
Zeiten des Hungers zu überleben. Die Angst vor Nahrungsmangel war in den unteren
Schichten immer vorhanden.
2.5.2. Völlerei und Feste
Die Völlerei, auch „Fresserei" genannt, gehörte im Hochmittelalter zu einer der sieben
Todsünden. Vor allem die oberen Schichten wurden mit dem Vorwurf der Völlerei
konfrontiert, da die unteren Schichten meist viel zu arm waren, um sich derart große Mengen
an Nahrungsmitteln leisten zu können. Die Völlerei galt somit als „Laster der
Oberschicht". Wer ihr nachgab sollte der Kirche nach in „des Teufels Küche" kommen
und im Jenseits mit teuflischer Zwangsernährung bestraft werden. Trotzdem führte die Kirche
gegen dieses Laster keinen so großen Kampf wie beispielsweise gegen die Trunksucht. Die
Völlerei wurde vielmehr als eine Nebenerscheinung der Trunksucht gesehen.
Obwohl die Kritik der Bevölkerung an Schlemmern und Völlern, besonders durch die
Erfahrungen von Hungerszeiten, immer stärker zunahm, änderten die oberen Schichten ihre
Ernährungsgewohnheiten nicht. Denn die üppigen Gelage und Feste fanden nicht nur aus
purer Lust am Essen statt, sondern waren gleichzeitig auch ein Statussymbol.
Die höfischen Feste der Adligen unterlagen einem strengen Protokoll, bei dem besondere
Regeln, Sitten und Bräuche zu beachten waren. Adlige bevorzugten es ihre Feste in großen,
schönen Räumen zu feiern. Der Speisesaal war entweder ein weitreichender Raum oder eine
hohe Halle. Es gab Tische und Bänke, welche mit Tischdecken und Polstern versehen waren.
Die verschiedenen Sitzgelegenheiten wurden je nach Stand und Rang zugeteilt. Für die
Ehrengäste wurden gepolsterte Sessel zu Verfügung gestellt, während die übrigen Gäste auf
einfachen Bänken Platz nehmen mussten. Zudem wurden auf einer Art Büfett, Prunkgeschirr
und besonders wertvolle und schöne Kannen, Becher, Krüge und Schalen ausgestellt, welche
die Gäste während des Mahls bewundern konnten. Auch wurde der Tisch des Gastgebers
und der Ehrengäste manchmal auf ein kleines Podest gestellt um zum Ausdruck zu bringen,
dass diese Personen in der Gesellschaft „eine gehobene Position" einnahmen. Der
Ehrentisch war daran zu erkennen, dass dort der kostbare Tafelaufsatz stand, bestehend aus
Trinkbecher, Serviette, Messer, Löffel und einem teuren Schneidebrett. Der Tafelaufsatz war
meist aus Gold oder Silber gefertigt und mit verschiedenen Edelsteinen verziert. Die Gäste am
Ehrentisch wurden besonders aufmerksam und zuvorkommend bedient. Dort wurden auch die
Platten mit den besten Speisen und den schönsten Stücken Fleisch serviert. Neben den
materiellen Vorteilen, die die Gäste am Ehrentisch genossen, fanden diese vor allem an der Auszeichnung gefallen, welche ihnen zuteil wurde, da sie so nah beim Gastgeber saßen. Wer
keinen Platz am Ehrentisch bekam, probierte zumindest einen Tisch nicht weit davon entfernt
zu bekommen.
Die weniger wichtigen Gäste wurden in einem anderen Raum oder im Freien platziert. Wie
am Ehrentisch gab es auch an allen anderen Tischen "gute" Plätze, mittig oder am Kopf eines
Tisches, und "gewöhnliche" Plätze. Je nach Stand wurden die Gäste also näher oder weiter
weg vom Gastgeber platziert. Somit konnte man an der Tischordnung den gesellschaftlichen
Rang der Gäste ablesen. Um einen reibungslosen Ablauf der Mahlzeiten zu garantieren, war
eine große Dienerschaft notwenig. Oftmals erforderten die Aufgaben bei Tisch Hunderte von
Bediensteten. Je höher der Rang eines Gastes war, desto höher war auch der Stand desjenigen,
der ihn bediente. Es kam auch gelegentlich vor, dass die Diener auf einem Pferd servieren
mussten, wenn die Podeste zu hoch waren, auf denen der Ehrentisch gestellt war. Um eine
Vergiftung des Essens von wichtigen Gästen zu verhindern, wurden die Speisen der
Ehrengäste in abgedeckten Schüsseln serviert.
In den oberen Schichten war es üblich üppige Speisefolgen zu servieren. Je festlicher der
Anlass war, desto mehr Gänge gab es. Ein Gang bestand nicht aus einem einzelnen Gericht,
sondern aus mehreren Gerichten. Ein Gang bedeutete damals ein Gang der Dienerschaft in die
Küche und wieder zurück, wobei beispielsweise zehn unterschiedliche Gerichte aufgetragen
werden konnten. Ein Menü bestand meist aus drei Gängen und somit aus mehreren
verschiedenen Speisen. Verschiedenste Fleischsorten, Saucen, Kuchen, Eier, Fische, Vögel,
Kaninchen, Wachteln, Orangen, Quitten und vieles mehr deckten bei einem Festmahl die
Tafeln. Je größer die Auswahl und der Tisch waren, desto weniger hatte der Einzelne die
Möglichkeit alles zu probieren. Man aß nur von den Speisen, die in unmittelbarer Nähe
standen, deshalb musste darauf geachtet werden den Ehrengästen die vornehmsten Speisen zu
servieren. Es gab also nicht nur für die Gäste eine Tischordnung, sondern auch für die
Speisen, wobei zu beachten war, dass die Gäste die Speisen sehen konnten, auch wenn sie sie
nicht aßen. Die Üppigkeit der Speisen hatte weniger mit der Lust des Essens zu tun,
sondern meistens vielmehr mit der Lust des Gastgebers seinen Reichtum zu zeigen. So gab es
fast bei jedem Festmahl auch „Schaugerichte", welche mit großem Aufwand hergestellt
wurden, aber nicht essbar waren.
Die Völlerei bei diesen Festtagen hatte aber auch etwas mit den damaligen Lebensumständen
zu tun, da sich niemand sicher war, „ob er auch morgen satt wird". Einen Genuss auf
spätere Zeiten zu verschieben schien sinnlos zu sein, da das Leben voller Gefahren und
Unsicherheiten steckte. Viel sinnvoller erschien es den damaligen Menschen stattdessen, sich
an dem Hier und Jetzt zu erfreuen und das Leben solange auszukosten wie es noch möglich
war. Durch reichliches Essen und Trinken fühlte man sich frisch und lebendig und
versicherte sich so seines Daseins.
Außerdem wurde Esslust, Völlerei auch noch dadurch begünstigt, dass körperliche Beleibtheit
als Ausweis für Macht Reichtum und Stärke galt. Nach Vorstellung des Adels zeichnete sich
ein ritterlicher Held beispielsweise auch durch seinen „robusten Appetit" aus.
Gegen Ende des Hochmittelalters, änderte sich jedoch das traditionelle Bild des Helden. Die
Tugend des „Maßhalten" gewann in der höfischen Lehre nun immer mehr an Bedeutung.
Man fand, dass sich wahrhafte Größe in vornehmer Zurückhaltung widerspiegelte und
unmäßiges Essen dem Menschen schade. Besonders von den Dichtern wurde diese neue
Tugendlehre aufgenommen und verbreitet. Von „vortrefflichen Rittern" mit „ehrenvollem
Betragen" war nun die Rede, anstatt detaillierte Berichte über Essen und Trinken zu
verfassen. Ein Ritter hatte nicht nur die Aufgabe seinen Hunger maßvoll zu stillen, sondern
zeichnete sich auch dadurch aus, dass er die guten von den weniger guten Speisen
unterscheiden konnte. Seine adelige Herkunft konnte mal also auch damit beweisen, indem
man den Wert der Speisen kannte und nur nach den teuersten Nahrungsmitteln griff. Das
Verhalten bei Tisch galt also als Indiz für die Herkunft und Lebensführung einer Person. Es
wurde zudem verlangt nicht nur auf das eigene Wohl bedacht zu sein, sondern auch weder zu
viel noch zu gierig zu essen. Beim gemeinsamen Essen und Teilen zeigte sich somit, die
gesellschaftliche Stellung und der Anstand.
Aus der mittelalterlichen Form heraus zu speisen, ergaben sich zahlreiche „Berührungspunkte"
zwischen den Gästen. Es wurde zu zweit aus einem Becher getrunken, man griff
mit den Fingern in die Schüsseln und teilte sich Teller, aus denen man auch Suppen oder
Soßen trank. Damals begab man sich beim Essen also in direkten Kontakt zu den Speisen und
zueinander. Diese Nähe machte daher bestimmte Verhaltenregeln während des Mahles erforderlich, sodass seit dem 12. Jahrhundert bestimmte Vorschriften für das Benehmen beim
gemeinsamen Essen und Trinken entstanden. Die so genannten „Tischzuchten".
Diese Tischsitten regelten das höfische Verhalten während einer Mahlzeit und berührten drei
Aspekte: Reinlichkeit bei Tisch, anständiges Benehmen und die Zügelung der Esslust.
Beispielsweise sollte man sich vor dem Trinken aus dem gemeinsamen Becher den Mund
abwischen, man sollte sich vor und während des Mahls die Hände in Schüsseln waschen, und
es vermeiden sein Brot in den Wein oder in das Salzfass zu tauchen. Zudem sollte man
abgebissene Speisen nicht wieder zurück in die Schüssel legen und seine Finger nicht
ablecken oder am Tischtuch abwischen. Auch für die Zurückhaltung beim Essen und Trinken
gab es Vorschriften: Man sollte weder gierig über das Essen herfallen, noch als erster in die
Schüsseln greifen. Auch dem Ranghöheren sollte man den Vortritt lassen und nicht nach
Speisen verlangen, die von der Dienerschaft schon weggetragen wurden. Zu schmatzen und
zu schnauben sowie beim Essen einzuschlafen galt ebenso als unhöflich, wie auf den Tisch,
anstatt darunter oder an die Wand zu spucken, oder die Ellenbogen auf den Tisch zu legen.
Maßlosem Essen und Trinken versuchte man dadurch entgegen zu wirken, indem es hieß,
man solle niemals satt von einer Mahlzeit aufstehen. Insbesondere den Frauen erlegte man
noch zusätzliche Tischsitten auf. Man legte ihnen nahe, bei Tisch nicht laut zu lachen, und
sich vor dem eigentlichen Mahl in der Frauenkammer satt zu essen. Auf keinen Fall durften
Frauen aber zu viel und zu hastig trinken.
Ganz anderes hielten es dahingegen die unteren Schichten ein Festessen zu veranstalten. Auch
hier probierte man natürlich die Quantität und Qualität der Speisen zu erhöhen und
reichhaltige Festmähler aufzutischen. Doch war dies meist nicht in so erheblichem Maße
durchführbar, wie beispielsweise beim Adel. Vor allem fehlte hier jede Art von höfischem
Zeremoniell. Die meisten Feste wurden von der ganzen Dorfgemeinschaft gefeiert und
beim Festmahl ging es vorwiegend derb und ausgelassen zu. Höfische Tischsitten waren hier
unbekannt und so wurden die Hände beispielsweise einfach am Gewand abgewischt. Sich die
Hände zu waschen war für die Bauern eine Rittersitte, welche für die einfachen
Dorfbewohner unbekannt war. Letztendlich kann man also sagen, dass die Art und Weise
sich insbesondere bei Festessen zu ernähren und zu verhalten, in den jeweiligen
gesellschaftlichen Schichten zum größten Teil unterschiedlich waren.
2.6. Folgen der Ernährung
Jede Art der Ernährung im Hochmittelalter, ob karg oder üppig, hatte ihre individuellen
Folgen. Diese konnten sich einerseits nur kurzfristig entfalten oder andrerseits langfristig
wirken. Die schlechte Quellenlage über die Folgen der Ernährung in den jeweiligen Schichten
veranlasst dazu, sich auf wenige Aspekte zu beschränken. Zum Einen, auf die Folgen einer
Unterernährung wie es bei einer Hungersnot der Fall war und zum Anderen, auf die Folgen
von übermäßigem Nahrungsmittelverzehr.
2.6.1. Unmittelbare Folgen der Ernährung
Mit unmittelbaren Folgen werden in diesem Fall die Folgen gemeint, die kurz nach einer
Besonderheit oder bestimmten Art von Ernährung auftreten. Zu solch einer unmittelbaren
Folge gehört zum Beispiel auch die hohe Sterblichkeitsrate nach einer Hungersnot. Durch
die unzureichende Menge an Nahrungsmitteln kam es zu starker Unterernährung oder die
Menschen verhungerten. Auch das Essen von vergiftetem Mehl durch das Mutterkorn führte
in dieser Zeit zu vielen Todesfällen. Hiervon waren größtenteils die unteren Schichten
betroffen, da diese im Gegensatz zu den oberen Schichten nicht die Möglichkeit hatten sich in
solch einer Notlage ausreichend zu ernähren. Abgesehen von einer Hungersnot ernährten
sich die unteren Schichten der Bevölkerung zwangsweise im Allgemeinen wesentlich
gesünder als die oberen Schichten und insbesondere der Adel. Ob die Menschen damals
aber unter Fettleibigkeit gelitten hatten ist ungewiss, da beispielsweise in den mittelalterlichen
Malereien verhältnismäßig nur wenig korpulentere Personen dargestellt wurden.
2.6.2. Langfristige Folgen der Ernährung
Mit langfristigen Folgen sind hier jene Folgen gemeint, die erst auf längere Sicht hin
feststellbar waren. Im Hochmittelalter hatte dies, auf die Ernährung bezogen, vor allem eine
Folge: Die Körpergröße. Die Körpergröße eines Menschen steigt, wenn er sich reichlich und
mit vielen tierischen Eiweißen ernährt. So kam es auch, dass die Personen eines reichen
Haushaltes im Durchschnitt größer wurden, als arme Menschen. Dies lag vor allem daran,
dass die reichen, oberen Schichten sich viel mehr Fleisch leisten konnten und so mehr
tierische Eiweiße zu sich nahmen. Allgemein kann man noch hinzufügen, dass die Menschen im Hochmittelalter beispielsweise kleiner waren, als die Menschen im
Frühmittelalter, da im Hochmittelalter das Hauptaugenmerk auf dem Ackerbau lag,
wohingegen im Frühmittelalter die Weidewirtschaft und Viehzucht eine größere Rolle
spielten.
Die Ernährung des Mittelalters im Vergleich zu Heute
Um die Ernährung der verschiedenen Schichten von heute mit damals vergleichen zu können,
sind erst einmal die grundlegenden Unterschiede der Ernährung vom Hochmittelalter mit der
Ernährung heutzutage zu klären. Denn schon allein das Spektrum der Nahrungsmittel hat sich
in dieser Zeit um ein Vielfaches gesteigert und geändert. Heute kann man sehr viele
Lebensmittel kaufen, die es im Hochmittelalter nicht gegeben hat. Auch die Tatsache, dass
man heute kaum noch auf die verschiedenen Jahreszeiten angewiesen ist, darf nicht außer
Acht gelassen werden. Frisches Obst und Gemüse kann man in fast jedem Supermarkt
erwerben, ohne diese beispielsweise auf dem eigenen Feld anbauen zu müssen, wie dies
früher der Fall gewesen ist.
Aber nicht nur die Möglichkeit Lebensmittel zu jeder Zeit schnellstmöglich zu erwerben hat
sich im Laufe der Zeit ermöglicht, sondern auch die Anzahl der Zubereitungsmöglichkeiten
hat sich erhöht. Backofen, Mikrowelle und Gas/-Elektroherd, sowie andere elektronische
Küchengeräte ermöglichen es, Nahrungsmittel schneller und vielfältiger zuzubereiten. Somit
spielt auch die Entwicklung der Wissenschaft eine wichtige Rolle beim Thema Ernährung.
Auch die Veränderung des Schönheitsideals beeinflusst die Ernährung. Damals wie heute. Ob
die Ernährung aber zum Beispiel auch in der heutigen Gesellschaft eine Frage der Bildung
beziehungsweise eine Frage des Geldes und somit der gesellschaftlichen Stellung ist, wird das
folgende Kapitel klären.
2.7.1. Einkommen und Bildung
Die Ernährung im Hochmittelalter hing stark von der finanziellen Lage und der
gesellschaftlichen Stellung des Einzelnen ab, wie die bisherigen Kapitel zeigten. Im Vergleich
dazu stellt sich jetzt die Frage, ob oder inwieweit sich dieser Sachverhalt in der heutigen
Gesellschaft wieder finden lässt. Um dies herauszufinden muss untersucht werden, ob
Abweichungen in der Ernährung zwischen gebildeten und weniger gebildeten Personen
bestehen. Gebildet meint hier einen höheren Schulabschluss, wie beispielsweise das Abitur.
Eine der größten Untersuchungen zur Gesundheitsförderung in Deutschland, die „Urmel-
Ice" Untersuchung, beobachtete dazu drei Jahre lang Grundschüler aus Ulm und
Umgebung. Sie untersuchten dabei die Kinder nach Kriterien wie beispielsweise Bauchumfang,
Hautfaltendicke oder Körperfett. Hierbei wurde zwischen Kindern unterschieden von: Eltern
mit Abitur oder ähnlichem hohen Abschluss, Eltern mit dem Abschluss der Mittleren Reife,
Eltern mit einem Abschluss bis zur Mittleren Reife und Eltern mit keinem Abschluss oder
einem Hauptschulabschluss. Das Ergebnis war eindeutig. Je höher der Bildungsabschluss der
jeweiligen Eltern war, desto niedriger war das Risiko der Kinder Übergewicht zu
entwickeln.
Ernährung und Bildung scheinen also in unmittelbarem Zusammenhang zu stehen. Wobei für
manche Menschen der Begriff Bildung den Vorwurf in sich trägt, dass „der tendenziell
Ungebildete [...] sich eben nicht genug Gedanken über seine Ernährung" mache. Deshalb
ist es sinnvoll nicht nur von Bildung, sondern auch von Geld zu sprechen. Belegt ist, dass
Menschen mit niedrigerem Einkommen ein höheres Risiko mit sich bringen an Übergewicht
zu erkranken als Besserverdienende. Kinder die schon in armen Verhältnissen aufwachsen,
leiden häufiger unter Übergewicht, als Kinder wohlhabender Eltern. Verschiedene Studien
zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen der Schichtzugehörigkeit einer Person und
der Häufigkeit vom Verzehren bestimmter Nahrungsmittel. So essen sozial schwächer
gestellte Menschen im Durchschnitt weniger „frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte,
Frischfleisch und fettarme Fleischerzeugnisse". Im Gegensatz zu besserverdienenden
Haushalten werden mehr „Konserven, fettreiches Fleisch, billige Wurstsorten [...]", Fertigund
Halbfertigprodukte mit hohem Fettgehalt und geringer Nährstoffdichte" gegessen.
Arme Kinder essen auch weniger Obst, Gemüse und Vollkornbrot und ernähren sich
stattdessen gehäuft von Fast Food. Dies kann man damit erklären, dass vollwertiges Essen im
Durchschnitt um ein Drittel teurer ist als "billiges". Ein Hartz- IV Empfänger beispielsweise
könnte sich laut einer Studie schon allein durch den geringen Tagessatz kein durchgehend
gesundes Essen leisten. Zudem kommt hinzu, dass eine Tiefkühlpizza länger satt hält als die
vom Preis her vergleichbare Menge an Obst oder frischem Gemüse. Abschließend kann man also sagen, dass Bildung und Einkommen ihren Teil dazu beitragen, dass sich arme
Familien im Durchschnitt schlechter ernähren als reichere Familien. Sowohl im
Hochmittelalter als auch heute beeinflusst also die finanzielle Lage des Einzelnen, manchmal
auch gegen besseres Wissen, erheblich seine Ernährung.
2.7.2. Veränderung des Schönheitsideals
Nicht nur Bildung und Einkommen beeinflussen die Ernährung. Auch das Schönheitsideal
der Gesellschaft hat einen Einfluss darauf, von welchen Lebensmitteln wie viel, zu sich
genommen wird.
Im Hochmittelalter war das Schönheitsideal ein anderes als das heutige. Eine dünne Frau
beispielsweise brachte ihrem Mann damals keine Ehre, da es hieß er könne sie nicht richtig
ernähren. Über eine korpulentere Frau hingegen hieß es, dass ihr Mann sie mehr lieben
würde, da er ihr das Essen nicht neidete. Die Körperform sagte also etwas über die soziale
Lage aus. So eiferte man im Hochmittelalter eher einer beleibteren Figur nach und probierte
dementsprechend auch seine Ernährung danach zu richten.
Heutzutage entspricht das Schönheitsideal nicht mehr dem des Hochmittelalters. Anstatt einer
"fülligeren" Figur wird im europäischen Raum eine schlanke Silhouette bevorzugt. Besonders
durch Medien wird dieses Schönheitsideal vermittelt und verstärkt. Dementsprechend
reagieren viele Menschen mit einer Änderung ihrer Ernährung indem sie sich auf fettarme
Kost umstellen oder Diäten beginnen. Besonders in den höheren Schichten wird, vor allem
von Frauen, versucht dem Schönheitsideal zu entsprechen. Auch untere Schichten werden
durch das Schönheitsideal in ihrer Ernährung beeinflusst, jedoch nicht so sehr wie
gesellschaftlich höhergestellte Personen. Somit kann man sagen, dass das Schönheitsideal die
Menschen im Hochmittelalter gleichermaßen beeinflusste wie heute, wobei aber ganz
unterschiedliche Schönheitsideale angestrebt wurden und werden.
Nachspeise
Am Schluss unserer Seminarfacharbeit, ziehen wir nun ein Fazit, indem wir auf die
ursprüngliche Fragestellung, ob die Ernährung im Hochmittelalter von der gesellschaftlichen
Stellung abhing, noch einmal eingehen. Durch unsere gewonnenen Erkenntnisse kommen wir
zu dem Ergebnis, dass die gesellschaftliche Stellung eine große und bedeutende Rolle für die
Ernährung der Menschen spielte.
An folgenden Beispielen lässt sich dies besonders verdeutlichen: Während der Oberschicht
das helle Weißbrot vorbehalten war, musste sich das einfache Volk mit dem dunklen und
schweren Schwarzbrot begnügen. Auch in Zeiten des Hungers litten die Bauern viel stärker
als der Adel. Dieser empfand schon das Essen von Roggenbrot als erste Stufe einer
Hungersnot, wohingegen der Bauer zur selben Zeit um das Überleben kämpfen musste.
Zudem hatten die armen Leute nur die Möglichkeit ihr Essen an einer offenen Feuerstelle
inmitten des Hauses zuzubereiten. Der Adel dagegen besaß meist eine gut ausgestattete Küche
mit mehreren Herdstellen. In diesem Sinne: „der Arme isst was er hat, der Reiche was er
will."
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