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Dr. Georg Ludwig Jerrer*:
(11 Artikel-Bewertungen)

Die Franken im Frühmittelalter (622-800)

Inhalt

Einführung

Zweihundert Jahre waren verflossen seit dem Tode des Königs Chlodewich, der durch seinen Unternehmungsgeist, seinen Mut und seine Treulosigkeit, die große fränkische Monarchie gegründet hatte. Ich würde euch Langeweile machen, wenn ich euch die Geschichte aller blutigen Kriege, aller Teilungen und Zerstückelungen des fränkischen Reichs in dieser langen Zeit, erzählen wollte.

Die Könige verkommen

Deshalb nur so viel: Am Ende arteten die Nachfolger Chlodwigs völlig aus. Sie waren der Kriege müde und verschlossen sich ohne Kraft und Mut in ihren Palästen mit ihren Weibern oder setzten sich an die gut besetzte Tafel und kümmerten sich bei alledem so wenig um die Regierungsgeschäfte, dass man sie allgemein die königlichen Faulbäuche (Rois fainéans) nannte.

Der Majordomus übernimmt die Macht

Alle Kriegs- und Regierungsgeschäfte blieben unter diesen Faullenzern ihren Majordomus, das heißt, ihren ersten Ministern, überlassen die da schalteten und walteten, wie sie wollten, und es am Ende so weit brachten, dass die Majordomuswürde in ihrer Famille erblich wurde. Die berühmtesten unter ihnen waren Pippin von Herstall, Karl Martell, und Pippin der Kurze. Der erste war der Großvater, der zweite der Sohn, der dritte der Enkel: alle drei kraftvolle, unternehmende Männer.

Pippin von Herstall hatte die ganze, große fränkische Monarchie unter seiner Verwaltung und beherrschte sie als Majordomus 27 Jahre lang. Er ließ sich auch zum Herzog, das heißt, Heerführer der Franken, wählen, und führte glückliche Kriege.

Der Majordomus Karl Martell besiegt die Araber

Unter seinem Mutigen und großen Sohn, Karl Martell, kamen die Araber von Spanien aus mit einem mächtigen Heer über die Pyrenäen herüber, und versuchten, sich der fränkischen Monarchie zu bemächtigen. Sie hatten bis dahin schon ganz Nordafrika erobert und niemand schien sie aufhalten zu können.

Schon waren sie bis an die Loire und in die Ebenen der Stadt Tours vorgedrungen; allein der tapfere Martell rückte ihnen mit seinen Franken entgegen und schlug sie erst bei Tours im Jahre 732, und dann noch einmal bei der Stadt Narbonne, fünf Jahre später, so nachdrücklich, dass sie für gut fanden, ganz Frankreich wieder zu räumen, und sich über die Pyrenäen nach Spanien zurück zu ziehen. Von jener Zeit an ließen sie sich nicht wieder sehen.

Martell oder Marteau heißt in französischer Sprache ein Hammer. Der Überwinder der Araber erhielt diesen rühmlichen Beinamen, weil er, wie ein Hammer, auf die Feinde losgeschlagen hatte.

Karl Martells Söhne

Dieser tapfere Krieger hinterließ nach seinem Tode (741) zwei Söhne, von denen der eine, Pippin der Kurze genannt, seines großen Vaters würdig war. Man nannte ihn den Kurzen wegen seiner kleinen Gestalt; Geist und Mut aber waren bei ihm nicht klein. Der andere Sohn, Karlmann, fand mehr Gefallen an dem stillen Klosterleben, als an Regierungsgeschäften. Er ließ sich daher den Kopf scheren, schlupfte in eine Kutte, und wurde ein frommer Mönch.

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