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Dr. Adolf Beer*:

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Geschichte des Handels in Deutschland

Handel und Gewerbe bei den Germanen

Die Berührung der Germanen mit den Römern rief in einigen Gegenden, besonders am Rhein und an der Donau, wo gallische und römische Ansiedler als Muster und Vorbild dienten, einigen Gewerbefleiß hervor. In dem eigentlichen Germanien (Germania magna), wo das Leben den ausländischen Einflüssen fremd blieb und sich eigenartig entwickelte, konnte jene Gewerbstätigkeit, welche sich auf Anfertigung verschiedener Gegenstände zum Behufe des Verkaufs bezog, in älterer Zeit keine Wurzel schlagen. Die einfachen Bedürfnisse wurden durch den Mann und die Frau nebst den Sklaven beschafft. Der Mann lebte dem Kriege; Schlaf, Gastmahl und Volksgemeinde nahmen ihn in Friedenszeiten hauptsächlich in Anspruch; hie und da besorgte er in seinen Mußestunden durch Jagd, Fischerei und Bebauung des Ackers die für den Lebensunterhalt nötigen Bedürfnisse. Die schweren und unsauberen Handarbeiten überließ man den Leibeigenen, Hörigen, auch den Weibern und Kindern. Das Backen, Brauen, Kochen, Waschen, die Anfertigung des Gewandes „von dem Werke der tanzenden Spindel bis zum fertigen Kleide" besorgten die Weiber, und selbst königliche Frauen entzogen sich diesem Geschäfte nicht. Schon in den frühesten Zeiten fehlte es an Schafen und Flachs nicht. Aus der Wolle bereitete man die ein- und missfarbigen oder bunt gestreiften Überwürfe der Männer; aus dem Leine das leichtere mit einem roten Saume verzierte Kleid der Weiber. „Gleich der Wolle vorzüglich zur Männerkleidung als Wams scheint sodann noch die Haut des Renntieres oder des Pferdes gedient zu haben. Die Pelze endlich, die bei strengerem Froste gleichmäßig beide Geschlechter trugen, nahmen nur die Kunst der Schere und der Nadel in Anspruch, aber wirklich die Kunst derselben, da auf geringeres Pelzwerk noch Zierraten und Besatz von mehr kostbarem, das man weit vom Norden her bezog, genäht wurden."

Die Bearbeitung der Metalle, die Gieß- und Schmiedekunst betrieben auch Freie; sogar edle und fürstliche Männer hielten es nicht unter ihrer Würde, sich damit zu beschäftigen, wenn auch für dergleichen Arbeiten Sklaven verwendet wurden, welche Gold-, Silber- und Eisenschmiede, auch Wagner und Zimmerleute waren, wie ja die Tötung derartiger Knechte mit einer höheren Summe gebüßt werden musste. Die Schmiedekunst allein scheint nicht bloß für das Bedürfnis betrieben worden zu sein, sondern auch auf Bestellung und Kauf. Der innere Handelsverkehr beschränkte sich bei der geringen Gewerbsbetriebsamkeit der Germanen bloß auf den Austausch jener Güter, welche zur unmittelbaren Befriedigung der Bedürfnisse nötig waren; Handel um des Gewinnes willen vermittelten bloß die Fremden. Hauptsächlich wurden liegende Güter gekauft, Feld, Wald und Weide; was bei den zahlreichen uns überlieferten Rechtsgebräuchen, welche die Veräußerung des Grundes und Bodens begleiteten, ziemlich häufig vorgekommen sein mag. Außerdem waren Gegenstände des Kaufes und Verkaufes Waffen, Vieh und Weiber. Diese Käufe waren einfacher Tausch, wo man Gut gegen Gut umtauschte, da die Germanen eigenes Geld nicht kannten und besaßen; als Kaufmittel dienten vorzugsweise Vieh und Waffen. Die meisten älteren Gesetze bestimmen den Wert der Dinge und Menschen in Rindern und Schafen; im Norden galt die Kuh als Werteinheit. Auch eherne und goldene Hals- und Armringe wurden als Zahlungsmittel gebraucht; geteilte Ringstücke scheinen eine Art Scheidemünze abgegeben zu haben, um Sachen geringeren Wertes zu kaufen.

Inhalt

Verkehr der Germanen mit Rom. Handelswaren.

Der eigentliche Handel beschränkte sich, wie gesagt, nur auf jene Gegenden, wo ein Verkehr mit Fremden stattfand. Diese, besonders die Gallier, brachten Wein und Pferde, Gold, Silber, Erz, Eisen und Färberröte. In der Kaiserzeit war der Handel lebhafter. Zwar verboten die Imperatoren, den Germanen Eisen zu liefern; dagegen kauften die Grenzanwohner des römischen Reiches Wein, der, nach der gewöhnlichen Annahme, seit Kaiser Prohns auch in den Rheingegenden gepflanzt wurde. Auch führten die römischen Kaufleute den Germanen mancherlei Tand zum Schmuck und Kleidung zu. — Die Gegenstände, welche die Germanen den luxuriösen Römern lieferten, dienten meist zur Befriedigung des verweichlichten und eitlen Lebens; so Zuckerrüben, später Fische aus dem Rhein und der Donau; Gänsefedern, deren Preise sehr hoch waren, da die germanischen Federn für die besten galten; Laugenseife, eine nordische Erfindung und ein vorzügliches Erzeugnis der Bataver und Mattiaken, die in Rom zum Rotfärben der Haare verwendet wurde; endlich germanische Haare, „denn so schön dünkte deren rötliches Gold den Römern und gar den Römerinnen, dass ein Aufsatz ganz von echten Germanenhaaren noch höheren Modewert besaß als die bloß gefärbten eigenen." In diesem Handelsverkehre mit den Fremden bediente man sich des Geldes, aber nur des römischen, da die Germanen eigenes nicht prägten. Größtenteils waren es römische Kaufleute, die diesen Handel betrieben und sich oft auch unter den Germanen niederließen; doch gab es auch germanische Handelsleute, die dem Stande der Freien angehörten; die Unfreien waren nicht befähigt, ein Geschäft abzuschließen.

Ein ziemlich lebhafter Handel wurde ferner zwischen den Germanen und den Fremden mit den zwar unansehnlichen aber ausdauernden germanischen Pferden betrieben, die auch in das römische Reich eingeführt wurden. Nicht minder mit Sklaven; zu Leibeigenen gemachte Kriegsgefangene wurden zum Handelsgut und so kamen Germanen schon im ersten Jahrhundert n. Chr. in römische Knechtschaft. Selbst das Christentum beseitigte den Sklavenhandel nicht; die christlichen Missionäre verlangten nur von den bekehrten Stämmen, dass man derartigen Handel mit Heiden meide. Die Pelzwaren, welche die Germanen zur Verschönerung ihrer Kleidungsstücke verwendeten, kamen von den nordischen Küsten und vom Eismeere. Die dunklen Zobelfelle erhielten die Römer auf demselben Wege. Der wichtigste Gegenstand endlich des germanischen Handels, nicht bloß in Germanien, sondern weit über die Grenzen des Landes hinaus, war Bernstein, der von den preußischen Ostseeküsten schon in der ältesten Zeit geholt wurde. Zur Zeit der Römerherrschaft wurde er in Italien zum Schmucke verwendet; nicht bloß die vornehmen Frauen Roms, auch die Bauernweiber putzten sich damit. Man hing überdies den Kindern Anmiete von Bernstein um; die Ärzte verschrieben ihn als Heilmittel gegen die verschiedenartigsten Krankheiten. Für den Betrieb des Handels mit demselben bildeten sich drei Straßen; eine lief, bei Carnuntum die Donau überschreitend, bis an den adriatischen Meerbusen; die zweite südwestliche Handelsstraße durchschnitt Germanien und Gallien und führte nach Massilia; die dritte südöstliche auf dem Dnieper (Borysthenes) in das schwarze Meer.

Schifffahrt der Germanen

Die Schifffahrt der Germanen reicht in die ältesten vorgeschichtlichen Zeiten. Von Skandinavien aus, wohin germanische Völker von Asien zu Lande gelangt sein mochten, durchschnitten sie das nordische Meer. „In die offene See hinaus herrschten mit ihren Flotten die Suionen, Bluts- und Namensvorfahren der heutigen Schweden; die Schiffe waren ohne Segel, bloß Ruderschiffe und zur bequemeren Fahrt zwischen Klippenengen so gebaut, dass jedes der beiden Enden ein Vorderteil war und zum Anlanden und Auslaufen diente, und dass nach Umständen abwechselnd so links wie rechts allein konnte gerudert werden. Sogar auf Flüssen rüsteten germanische Völker gelegentlich Kriegsflotten aus und stellten sich ihren Feinden, den Römern, entgegen.u Die Flussschiffe waren bloß ausgehöhlte Baumstämme, meist Eichen, „und anstatt der Segel mussten sich die Bataver mehr schön als gut mit ihren bunten Mäntelchen behelfen." Die Meeranwohner unternahmen zur See Kriegs- und Raubzüge.

Der Handel während der Völkerwanderung. Wenden und Friesen.

Die Zeiten der Völkerwanderung erstickten die geringen Anfänge der Industrie und des Verkehrs, welche durch die Berührung mit den Römern hervorgerufen worden waren, im Keime. Es dauerte geraume Zeit, ehe die Verhältnisse sich konsolidierten und der Waffenlärm der friedlichen Beschäftigung Muße ließ. Viel später als in Italien erwachte in Deutschland eine rege industrielle Tätigkeit; nur die Donau- und Rheingegenden machen in gewisser Hinsicht eine Ausnahme. Von einem Handelsverkehre im innern Deutschland haben wir nur wenige unzusammenhängende Nachrichten, die durchaus nicht genügende Anhaltspunkte bieten, um eine klare Vorstellung zu gewinnen. Die Wendenstämme an der Ostsee werden in den frühen Zeiten des Mittelalters als Schifffahrt- und Handel treibend geschildert. In der Gegend von Wismar lag der obotritische Handelsort Rereg. In den Elbe- und Saalegegenden fand ein Austausch slawischer und deutscher Produkte statt. Die volkswirtschaftliche Tätigkeit Karl´s bestimmte vom Ausfluss der Elbe bis in die avarische Mark eine Reihe von Orten, welche dem Verkehr mit den Slaven dienen sollten. In Bardewik verkehrten Deutsche mit Slaven und Avaren; Magdeburg, Schessel (unweit Lüneburg), Erfurt, Halastadt, Forchheim, Bremberg, Regensburg, Lorsch oberhalb der Ennsmündung werden als Haupthandelsorte genannt, wo Deutsche und Slawen ihre Erzeugnisse gegenseitig austauschten. Nach einer kaiserlichen Bestimmung stand der Handelsverkehr dieser Gegenden unter markgräflichem Schutze. Die Deutschen lieferten Linnen- und Wollenwaren, Eisen,' Wein für Vieh, Wachs, Häute, Pelze, Bernstein, Spezereien u. s. w. Verkauf und Ausfuhr von Waffen und Harnischen war untersagt. Die meisten der genannten Städte verloren später ihre Bedeutung. — Die Industrietätigkeit der Friesen wird von den Annalisten hervorgehoben; friesische Tücher von weißer, blauer und bunter Farbe werden von Karl als Geschenke ausersehen, die er der Gesandtschaft Harun al Raschid's mitgab. Die Friesen stellten sich überall ein, wo Verkehr und Austausch stattfand; von allen Deutschen zuerst befahren sie die Nordsee. Im achten Jahrhundert besuchen sie den Markt von St. Denis und York, die Hauptstadt Northumberlands. Ihr vorzüglichster Handelsort war Dorstadt (Wyk te Duerstade). — In den Rheingegenden ging die schon in der Römerzeit kultivierte gewerbliche Tätigkeit nie ganz unter. Mainz, Köln und Straßburg sind in der Merowinger- und Karolingerzeit vielgenannte Orte.

Der Handel zur Karolingerzeit. Die Normannen.

Der Vertrag von Verdun 843 trennte die deutschen Landschaften von dem Frankenreiche; Ludwig der Deutsche ist der Gründer der deutsch-karolingischen Linie, die bis zum Jahre 911 in Deutschland herrschte. Regensburg, „seit der Absetzung Tassilo's der Mittelpunkt der fränkischen Verwaltung über Baiern, und zur Zeit der Avaren noch der dauernde Aufenthalt des königlichen Hoflagers," nun die Residenz der Könige, um die sich Arnulf besondere Verdienste erwarb, hob sich. Er erweiterte ihre Mauern und siedelte in einem Viertel Kaufleute an, weshalb das Quartier nach ihnen benannt wurde. Die Donaustädte nahmen schon um diese Zeit einen hübschen Aufschwung; der Verkehr in diesen Gegenden scheint für die damalige Zeit recht lebhaft gewesen zu sein. Die morgenländischen Waren fanden auf der Wasserstraße oder zu Land durch die Vermittelung der Bulgaren_und_später der Magyaren ihren Weg nach Lorsch, und nach dessen Zerstörung nach Enns und Passau. Die Keime einer gedeihlichen Tätigkeit in den nördlichen Gegenden Deutschlands vernichteten die Normannen, die aus ihrer skandinavischen Heimat hervorbrechend, die englischen, deutschen und westfränkischen Küsten verheerten. Die skandinavischen Seefahrer waren unter verschiedenen Namen bekannt und gefürchtet; in England als Dänen, in Russland als Waräger, in Westfranken als Nordmannen. Hamburg, von Karl dem Großen gegründet, wurde zerstört. Oft verwüsteten sie die Nordküsten Frankreichs, drangen auf der Seine bis nach Paris vor, ihren Weg mit dem Schutte der Städte bezeichnend.

Die schwachen Karolinger erhandelten meist durch Geschenke den Frieden, bis sie endlich genötigt waren ihnen die Nordküste Frankreichs (die heutige Normandie) abzutreten. In den deutschen Gebieten errang der kriegerische, wackere König Arnulf einen bedeutenden Sieg bei Löwen an der Dyle 891. Kaum waren diese Feinde beseitigt, als neue Gefahr drohte. Die Magyaren drangen in das südliche Deutschland, in die avarische Mark und Baiern ein, schlugen ein deutsches Heer an der Enns 907, und durchstreiften Thüringen und Sachsen. Der schwache Sohn Arnulfs war nicht im Stande, den Feind abzuwehren. Dass bei diesen Zuständen von einer friedlichen Tätigkeit nicht die Rede sein kann, versteht sich von selbst. Nur wenige Städte, unter ihnen Regensburg, besaßen für die damalige Zeit nicht unbedeutenden Handel. Der Donauhandel wurde mit ziemlicher Lebhaftigkeit betrieben. Als die gesuchteste Ware wird Salz genannt, außerdem auch Trauben, Wachs und Sklaven, welche auf diesem Wege nach Konstantinopel geschafft wurden; doch scheinen die Deutschen weit hinter den Kaufleuten anderer Völker zurückgestanden zu sein. Die Chronisten erwähnen vorzugsweise Wenden und Juden als Kaufleute; letztere scheinen überhaupt im merowingischen und karolingischen Zeitalter den Haupthandel mit orientalischen Waren betrieben zu haben.

Der Handel unter den sächsischen Kaisern. Fortschritte der Städte.

Geordnetere Verhältnisse traten erst ein, als nach dem Aussterben der Karolinger in Deutschland und nach der kurzen Zwischenregierung Konrad's der Sachsenherzog Heinrich zum Könige gewählt wurde. Die Ottonen können als die Gründer eines staatlichen Lebens in Deutschland betrachtet werden. Der erste dieses Geschlechts, Heinrich I. (918-936), besiegte die Magyaren, welche ihre Raubzüge fortgesetzt, zweimal, stellte im Norden die dänische Mark Karl´s des Großen wieder her, und machte die Eider zur Grenze Deutschlands. Durch die Anlage neuer und Befestigung verfallener Burgen legte er den Grund zu den später daraus erwachsenden Städten, welche so viele Keime zur Reife brachten und die eigentliche bürgerliche Tätigkeit förderten und hoben.

Die Verbindung Italiens mit Deutschland durch Otto I., so unselig sie in vieler Hinsicht zu nennen ist, bahnte dennoch italienischer Kultur und Verfeinerung den Weg nach Deutschland, und eine Belebung der Gewerbe und der Künste lässt sich wenigstens in einigen spärlichen Erscheinungen nachweisen. Nach Nordosten wurde das Reich unter fortwährenden Kämpfen mit den Elbeslaven ausgedehnt; den Raubfahrten der Ungarn durch die Schlacht auf dem Lechfelde 10. Aug. 955 eine Grenze gesetzt. Gegen die südlichen slawischen Stämme, gegen Westfranken, zeigte sich die Überlegenheit der deutschen Waffen. Unter der Regierung der Ottonen machten die Städte einige merkliche, obwohl noch nicht bedeutende Fortschritte. Magdeburg hob sich, durch Otto's I. Gemahlin begünstigt; Hamburg, erstand aus den Trümmern; Bremen wurde durch seine Bischöfe gefördert und schwang sich unter Bischof Adel dag auf, der sich auch bemühte, das kaufmännische Leben zu heben. Die Stadt erhielt vom Kaiser einen Freibrief über Marktrecht, Zoll, Münze und Schutz für alle Gewerbe treibenden Bewohner. Vorzüglich sind es die Bischöfe, die in allen Städten, über die sie die Immunität erhielten, d. i. Freiheit von den Grafengerichten, von allen weltlichen Leistungen und Lasten an den Staat, heilsame Zustände anbahnten. Soest´s und Köln´s Kaufleute waren strebsam, ihren Erzeugnissen weitern Absatz zu verschaffen; ersteres suchte für seine Webereien, letzteres für Rheinwein Export nach den überseeischen Gegenden, vorzugsweise nach England, mit dessen Herrscherhanse König Otto durch Vermählung mit einer angelsächsischen Prinzessin in innige Beziehung getreten war. Die „Leute des Kaisers" erhielten gleiches Recht mit den eigenen Untertanen von dem englischen Könige Athelred, 978-1016. Gegen Entrichtung eines gesetzlichen Zolles durften sie ihre Einkäufe von Wolle, Fettwaren und lebendigen Schweinen Besorgen „und brachten am Weihnachts- und Osterfeste als Anerkennungszeichen drei Stück von grauem Tuche, eines von braunem, zehn Pfund Pfeffer, fünf Paar Männerhandschuhe und zwei Eimer mit Essig dar, wahrscheinlich der städtischen Behörde."

In den südlichen Gebieten konnte Regensburg nach der Besiegung der Magyaren und Zurückweisung derselben in ihre Landesgrenzen seine Handelstätigkeit ausbilden und erweitern; doch erstreckte sich der deutsche Handel im 10. Jahrhundert noch nicht über die ungarischen Grenzdistrikte hinaus; das Aufblühen der Stadt wurde durch König Heinrich II., der hier oft seine Residenz aufschlug, begünstigt. Passau, Salzburg, Freisingen, Donauwörth, Ulm treten aus der Reihe der Donaustädte hervor und erlangen Privilegien, Marktrecht, Freiheit vom Zoll, einige auch Münzrecht. — In Sachsen mehrte sich die Betriebsamkeit durch Anlegung neuer Märkte. Die Berggruben des Harzes wurden ausgebeutet. Goslar's Verkehr hob sich, viele Kaufleute Hessen sich hier nieder; der zunehmende Gewürzhandel wird ausdrücklich erwähnt. In Hildesheim und Quedlinburg wurden Gewerbe und Handel gepflegt, von den geistlichen Gebietern begünstigt Auf der Nord- und Ostsee tummelten sich Friesen herum, unternahmen eine Entdeckungsreise in den hohen Norden über Island hinaus und kehrten von der ersten Nordpolexpedition nach mannigfachen Abenteuern zurück.

Der Handel unter den salischen Kaisern. Aufblühen der Städte.

Die glänzende Regierung der salischen Kaiser war dem Emporkommen der Städte ungemein förderlich. Dieses kraftvolle Kaiserhaus hat nicht bloß auf die äußere und innere Gestaltung Deutschlands mächtig eingewirkt, dem deutschen Namen nach allen Seiten hin große Geltung verschafft, auch in den Verkehrsverhältnissen ist ihre Zeit Epochen machend. Das von Konrad II. ursprünglich für Italien erlassene Gesetz der Erblichkeit der niederen Lehen wirkte dort fruchtbringend auf den Ackerbau und war auch nicht ohne Rückwirkung auf Deutschland, indem auch hier der König einzelnen niedern Lehnsträgern ihr Besitztum erblich zusicherte. Im Wendenlande wurde das Deutschtum in Folge vieljähriger blutiger Kriege befestigt, dem Christentum mehr Eingang als bisher verschafft und nach Süden hin ein neues Land, Burgund, dem Reiche eingefügt. Auf dem betretenen Wege schritt Konrad's großer Nachfolger Heinrich III. fort. Ungarns König musste die deutsche Oberherrlichkeit anerkennen, der Wendenfürst Gottschalk wurde Lehensmann des deutschen Reiches. Die Macht des deutschen Königtums erlangte überdies durch die Besetzung des päpstlichen Thrones ihren Höhepunkt.

Der Handel, dessen Aufschwung seit dem elften Jahrhundert beginnt, bewegte sich in freiem Bahnen. Die Magdeburger Kaufleute erhielten Zollfreiheit im gesamten Reiche, außer zu Köln, Mainz und Bardewik; später erlangten die Quedlinburger ähnliche Vorrechte. Wichtige Märkte wurden allmählich die von Mainz, Köln, Dortmund, Magdeburg, Goslar und Bardewik; ihre Marktordnungen dienten als Muster für anderweitige Verleihungen. Die Rheinstädte, für den Handel ungemein günstig gelegen, zeichneten sich durch ein reges und rühriges Leben aus. Die gesteigerte Tätigkeit, welche sich in den Städten entfaltete, lockte viele Landbewohner an. Die zahlreichen Einwanderungen, zum Teile auch um der drückenden Hörigkeit auf dem Lande zu entgehen, dauerten bis ins 14. Jahrhundert, was die Vergrößerung der Städte zur Folge hatte. Magdeburg, Köln, Frankfurt, Straßburg, Regensburg, Worms und Basel erweiterten den Umfang ihrer Mauern.*)

Der zunehmende Handel war eine Hauptquelle des Reichtums und Wohlstandes. Das Kraft- und Selbstständigkeitsgefühl der Städter erwachte, und das Streben, die Entwickelung einer freien Stadtverfassung, die Emanzipation von der bischöflichen Herrschaft anzubahnen, regte sich... Die politische Mündigkeit der Städte reifte unter jenen unseligen Kämpfen, welche das deutsche Reich während Kaiser Heinrichs IV. Regierungszeit (1056-1106) in zwei große Heerlager spalteten. Die meisten Städte standen auf Seiten des Kaisers gegen seine Hauptfeinde, die Bischöfe, und legten bei jeder Gelegenheit ihre innige Anhänglichkeit und ausdauernde Treue dem. König an den Tag; Worms unter den Rheinstädten, Regensburg unter den Donaustädten obenan. Scharen von Kaufleuten fochten für Heinrich IV; selbst als das gesamte Reich, seinen Sohn Heinrich an der Spitze, sich in offenem Aufstande gegen den Kaiser befand, reichten ihm die Bürger hilfreiche Hand. Die inneren Kämpfe wirkten wohl nachteilig auf den Wohlstand der Städte ein, beschleunigten aber andererseits das Wachstum des Freiheitsmutes, da die Bürger zum Bewusstsein ihrer Kraftfülle gelangten, welche sodann ein selbsttätiges politisches Leben erzeugte. Ihren Einfluss auf die Reichsangelegenheiten zeigten sie bei der Wahl Konrad's III. (1138), der seine schnelle Anerkennung teilweise den Städten zu danken hatte *).

*) Fichard, Entstehung von Frankfurt S. 25 ff. Ochs. Geschichte von Basel, I. 8. 242 ff. Rathmann, Gesch. von Magdeburg, I. 8. 149 ff. Vrgl. Arnold I. 8. 141 ff.

Der Handel während der Kreuzzüge

Die beginnenden Kreuzfahrten trafen mit diesen Bestrebungen zusammen. Die Donaustädte gewannen gleich beim Beginne derselben; die Flussschifffahrt steigerte sich, die Donau war mit Schiffen bedeckt, die nicht im Stande waren, die Massen der Kreuzfahrer weiter zu befördern. Regensburg wurde um diese Zeit, allmählich die am meisten bevölkerte und wichtigste Stadt Deutschlands. Von hier aus unternahm Konrad III. seinen Kreuzzug (1147), und später Heinrich der Lowe seine Wallfahrt nach Jerusalem, 1172. Regensburg vermittelte den Verkehr zwischen dem Osten und Westen, dem Süden und Norden. Die Blüte dieser Verkehrstätigkeit ist jedoch in eine spätere Zeit zu setzen. Der Warenzug vom Norden nach Süden ging von Kiew und Danzig bis nach Venedig. Trentschin an der Oberwaag war ein Hauptruhepunkt; hier liefen drei Straßen zusammen, aus Preußen, Polen und seit dem 12. Jahrhundert aus Russland; letztere ging wahrscheinlich über Lemberg an die Donau. Regensburger hatten in Kiew Handelshäuser und bezogen auch den von weit und breit besuchten Markt daselbst. Auch den Handel nach Italien vermittelten die Regensburger *). Am Ende des 10. Jahrhunderts waren die nach Italien führenden Straßen schon von zahlreichen deutschen Kaufleuten besucht Der Handelsweg ging anfangs über Aquileja, welches durch seine Safranmärkte berühmt war. Im 12. Jahrhundert scheint auch nach dem Westen ein lebhafter Verkehr stattgefunden zu haben, der sich vielleicht einerseits bis an den Oberrhein und Straßburg ausdehnte, andererseits über Frankfurt an den Niederrhein ging.

Neben Regensburg steht Wien, durch die babenbergischen Herzöge unterstützt, unter den Donaustädten obenan, welches bald mit jenem wetteiferte. Auch Haimburg und Enns, damals zu Steiermark gehörig, besaßen eine Zeit lang selbstständigen Handelsbetrieb. Haimburg wurde von Wien gänzlich überflügelt; der Ostermarkt zu Enns war von vielen Kaufleuten aus Ungarn, Böhmen, Polen, Russland und fast allen deutschen Gebieten besucht. Die Handelsgegenstände waren Getreide, Holzwaren, Obst, Wein, Metalle, Schlachtvieh, Seidenzeuge, Gewürze u. a. m. Seit Wien die bleibende Hofstadt der babenbergischen Herzöge geworden war, wurde es für den Landhandel durch die Ausbeutung seiner für denselben günstigen Lage von hervorragender Bedeutung; Regensburg wurde allmählich verdrängt. Das älteste Stadtrecht Wiens, von Leopold dem Glorreichen 1198 erteilt, enthält einige Verordnungen, welche auf die Hebung des Verkehrs günstig wirkten. Eine Behörde von 24 Bürgern sollte den Handelsverkehr beaufsichtigen, eine andere von 100 Männern „aus allen Gassen, wo die Verständigern wohnten," wurde eingesetzt. Zwei aus ihrer Mitte sollten zugegen sein, wenn etwas verkauft, verpfändet oder verschenkt wurde. Der Gebrauch falscher Maße, Gewichte und Ellen wurde bei Geldstrafe verboten. Der wichtige Grenzort Enns erhielt 1212 ein Stadtrecht. Der Monopoliengeist der Bewohner Österreichs rief einige den Verkehr mit Fremden hemmende Beschränkungen hervor. Bei Strafe von zwei Mark Gold war es fremden Kaufleuten „Schwaben" — wie alle Deutschen jenseits Passau und Regensburg genannt wurden, — verboten über Wien hinaus ihre Waren zu verführen. Auch durften sie sich nur zwei Monate in Wien aufhalten und ihre Waren nur Wiener Bürgern verkaufen. Der Kauf von Gold und Silber wurde verboten. Der günstigen Lage hatte es Wien zu danken, dass der Handel einen fortwährenden Zuwachs erhielt und der Wohlstand immer mehr zunahm. Jedoch bildeten „gemäß den bürgerlichen und polizeilichen Satzungen, weichliche, üppige Sitten, nicht ohne stolzes Selbstgefühl auf ein in Hülle und Fülle ausschießendes Leben; Sorglosigkeit, sinnlich derbe Genusssucht .... den hervorstechenden Charakter des frühesten mittelalterlichen Wiens"*).

') In Regensburg war freilich der Bischof ein Anhänger des Kaisers. *
*) Ueber den deutsch-italienischen Verkehr: Erdmannsdorf er, De commercio quod in ter Venetos et Germaniae civitates medio aero intercessit. Leipzig 1858; über Regensburgs Thfitigkeit S. 11. Vgl. Hüllmann, Städtewesen I. S. 347.

Der Donauhandel. Regensburg. Wien. Die übrigen Städte des Donaugebietes. Ulm und Augsburg. Nürnberg. Industrie derselben.

Der Umschwung, der in dem Levantehandel durch die Gründung des lateinischen Kaisertums und teilweise schon früher hervorgerufen wurde, traf den Donauhandel empfindlich, da bisher eine große Anzahl orientalischer Erzeugnisse entweder auf der Wasserstraße oder auf dem Landwege direkt von der Hauptstadt des griechischen Kaisertums waren bezogen worden. Regensburg, der bisherige Vorort der österreichischen und bayrischen Städte, war genötigt, seine Handelsverbindungen auf die benachbarten Länder zu beschränken. Trotz einzelner Begünstigungen, welche die Stadt von deutschen Kaisern und ungarischen und böhmischen Königen erhielt, wurde ihr Handel mit der Zeit von anderen Städten überflügelt. Im 13. Jahrhundert erstreckte sich die Handelstätigkeit von Regensburg nach Österreich, Ungarn, Kärnten, Tirol, Italien, Böhmen und endlich durch Baiern und Schwaben an den Rhein. Während gegen Westen und das Innere Deutschlands Regensburgs Handel sich auf einer ziemlich hohen Stufe behauptete, wurden Wiens Kaufleute Vermittler des Waarenum8atzes zwischen Italien und den unteren Donaugegenden. Auch das Emporblühen Ulms, Augsburgs und anderer Städte beschränkte das regensburgische Handelsgebiet.

Unter den übrigen Handelsstädten dieser Gegenden sind die in dem Gebiete der obern Donau liegenden Orte Ulm, Augsburg, Memmingen und Kempten zu nennen, welche als Vermittler des italienisch-deutschen Handels hervorragendere Bedeutung gewinnen, während sie bisher auf den Märkten von Enns und Wien die orientalischen Waren geholt hatten. Die Handelsverbindungen dieser Städte, vorzüglich Ulms und Augsburgs dehnten sich nach Baiern, Österreich, Böhmen, Polen, Ungarn, nach der Wallachei und Bulgarei aus, wohin Kürschnerwaren, Barchent, Leinwand, oberländischer Wein verfuhrt und als Rückfracht Stahl, Eisen, Wein, Ochsenhäute und Salz aufgenommen wurde. Ulm und Augsburg standen mit einander in innigen Handelsbeziehungen. Seit dem 13. Jahrhundert verkehrten diese Städte auch direkt mit Italien; und schon im 14. Jahrhundert waren die Märkte von Venedig und Genua von Kaufleuten derselben zahlreich besucht. Mit dem Handel nach Italien stand der nach Tirol in Verbindung, da eine der drei dahin führenden Straßen über Tirol ging. Bozen war hier der Hauptmarkt. Der Verkehr mit Venedig wurde von König Albrecht begünstigt, der einige Zölle, welche den Handel bisher erschwert, abschaffte. Schon der Transithandel nach Venedig brachte regen Verkehr nach Ulm und Augsburg; die Kaufleute aus Flandern und Brabant, aus den Rheingegenden u. s. w. berührten auf ihrer Reise nach Italien die genannten Orte. Die Handelslinien erstreckten sich nach Oberschwaben, der Schweiz, der Normandie, Champagne, Dauphiné und Katalonien, wo sie eigene Faktoren hielten. Nördlich wurden die Rheingegenden, Holland, die Niederlande und England besucht.

Mit Augsburg und den andern Orten rivalisierte glücklich Nürnberg. Vom Jahre 1062 haben wir die erste Nachricht von dieser Stadt; Heinrich IV. gewährt ihr Marktfreiheit, Zoll- und Münzrecht. Aber erst jm 13. Jahrhunderte nahm die Handelstätigkeit und Betriebsamkeit Nürnbergs einen energischen Aufschwung. Friedrich II. bekräftigt 1219 der Stadt ihre bisherigen Privilegien und verleiht ihr erneute Freiheiten. Im Laufe dieses Jahrhunderts knüpft Nürnberg Handelsverbindungen mit Regensburg und Speyer an, tritt 1256 dem, ein Jahr zuvor gestifteten Rheinbunde bei. Im 14. Jahrhundert zog es jene Verkehrslinien, die es später immer mehr ausprägte und verfolgte. Sehr lebhaft beteiligt sich die Stadt an dem Warenzuge nach Italien, der über Schwaben, Baiern und Tirol ging; im Südwesten besuchten Nürnberger die Märkte von Basel, Solothurn, Bern, Besancon, Lyon; und dehnten ihre Handelsverbindungen nach den Niederlanden und den Hauptstädten von Böhmen, Mähren, Schlesien, Ungarn aus; selbst in Spanien finden wir Nürnberger Händler.

In diesen Städten, Ulm, Augsburg und Nürnberg, war auch ein reger industrieller Geist tätig. Die Weberei in Wolle und Leinen wurde in ausgedehntem Maßstabe betrieben; die Weberherren waren namentlich in Augsburg sehr angesehen, ein deutsches Fürstenhaus ging aus ihnen hervor: die Fugger. Die Färberei wurde in Augsburg schon früh, in Nürnberg seit dem 13. Jahrhundert ausgebildet. Am berühmtesten und gesuchtesten waren jedoch die Metallarbeiten aller Art, die Augsburg und vornehmlich Nürnberg mit großer künstlerischer Vollendung lieferte. Gold-, Silber-, Kupfer-, Eisen- und Holzgerätschaften verfertigte man mit außerordentlicher Geschicklichkeit. Ebenso berühmt waren die Bildhauer und Bildgießer, Goldschläger, Rothschmiede oder Gelbgießer, die Schreiner, Holzdrechsler u. s. w., welche mit ihren Arbeiten die nahen und fernen Märkte überschwemmten. Die industrielle Tätigkeit war hier die Grundlage eines ausgebreiteten Handels, der an Ausdehnung und Intensität alle Binnenstädte der damaligen Zeit übertraf. Die zur Verarbeitung nötigen Naturprodukte holte man aus Tirol, Österreich, Ungarn, Schlesien, Böhmen und Sachsen. „Ein nicht unerheblicher Erwerbszweig war die so genannte Briefmalerei oder das Ausmalen von Bildern in Holzschnitt, abgedruckt auf Blättern in Form der Briefe. Anfänglich waren es lauter Heiligenbilder, später kam die Ausmalung der Blätter zum Kartenspiel hinzu." Diese Kunst wurde in Nürnberg mit großer Virtuosität betrieben und die Spielkarten der süddeutschen Städte Nürnberg, Augsburg und Ulm wurden nach Italien geführt.

An die Städte des Donaugebietes schlossen sich, was den Warenzug nach Italien betrifft, die oberalemannischen oder schweizerischen Städte Luzern, Zürich, Bern, Basel, Solothurn und die Bodenseestädte Konstanz, Lindau, Überlingen und Ravensburg an. Auf drei Straßen zog der oberdeutsche Kaufmann nach Italien. Die erste führte von Baiern und Schwaben über die Tiroler Alpen, Füssen und Linsbruck berührend, durch die Klause nach Brixen und Bozen, über Trient und Verona nach der Lombardei. Die beiden anderen Straßen gingen von Mailand durch die schweizerischen Alpen; die eine westlich über den Lago maggiore, von Locarno am nördlichen Ende des Sees über den St. Gotthard, durch das Urserenthal über die Teufelsbrücke in das Schöllenenthal, durch Uri über den Vierwaldstädtersee nach Luzern, von da nach Basel; die andere östlichere Straße zog über den Lago di Como, von Novate und Riva über Chiavenna, Chur, Zürich, Basel; von Chur, wo sich die Straße geteilt, führte ein Nebenarm durch das Rheintal auf dem Flusse hinab an den Bodensee. Die östlichere Schweizer Straße und die Tiroler waren durch Querlinien mit einander verbunden.

Der Handel der oberalemannischen Städte

Hier mögen auch die mit den Donaugebieten in Verbindung stehenden Länder welche heute zur österreichischen Monarchie gehören, ihre Stelle finden. Nach Ungarn trieben vornehmlich Regensburg und Wien ausgedehnten Handel; die Verbindung mit diesem Lande war auch bis ins 13. Jahrhundert in sofern wichtig, als orientalische Waren durch dieses Gebiet nach Regensburg geführt wurden. An diesem Handel nach Ungarn nahmen auch Breslau und Prag teil; Kupfer und andere Metalle wurden aus dem Lande der Magyaren gegen aus Schlesien und der Lausitz eingeführte wollene Tücher exportiert. Hauptplätze des ungarischen Handels waren Pressburg und Ofen. In Ungarn waren es vorzugsweise die dahin verpflanzten deutschen Kolonisten, welche handels- und industrietätig waren. — Siebenbürgen wurde erst seit dem 14. Jahrhundert für den Handel von Bedeutung; Hermannstadt und Kronstadt, von Ludwig dem Großen begünstigt, treten aus der Reihe der Städte hervor. — In den Alpenländern, in Kärnten, Krain und Steiermark wurden die Naturprodukte schon im 12. Jahrhundert ausgebeutet und die Mur- und Draugebiete gewannen, besonders seit der Verkehr mit Venedig viele Kaufleute in diese Gegenden führte. Judenburg hatte schon im 11. Jahrhunderte eine Markt-, Maut- und Zollstätte; im 13. Jahrhundert sind Pettau, Marburg, Grätz, Bruck, Leoben u. s. w. für den Durchfuhrhandel von Wichtigkeit. Bedeutend war der Handel mit Roheisen; die Landesherren und die geistlichen Saalherren waren gleichmäßig tätig diesen Handel zu heben und zu erleichtern. — In Böhmen befand sich der Handel bis ins 11. Jahrhundert größtenteils in den Händen der Ausländer; Juden, Deutsche und Italiener machten sich in Prag ansässig und erwarben große Reichtümer. Im folgenden Jahrhundert hoben sich Landwirtschaft und Gewerbe, die deutschen Kolonien waren auch hier nicht ohne Einfluss. Der Bergbau Kuttenberg's, von dortigen und Prager Familien ausgebeutet, warf im 14. Jahrhundert großen Ertrag ab; Marktgerechtigkeit besaßen in dieser Periode schon viele Städte, deren Einwohner aus Krämern, Handwerkern und Ackerbauern bestanden. Aktiven Handel betrieben böhmische Kaufleute bloß nach Polen und Ungarn; eingeführt wurden viele Industrieerzeugnisse aus Italien und Deutschland. Der organisierende Geist Karl´s IV., seit 1333 Mitregent seines Vaters, war auch auf Hebung der industriellen und merkantilen Tätigkeit bedacht .

Straßen nach Italien. Die Länder des heutigen Österreich. Die sächsischen Städte: Erfurt, Halle, Leipzig. Bamberg und Würzburg. Frankfurt.

Unter den sächsischen Städten treten Erfurt, Halle und Leipzig hervor. Die Erfurter Tuchmacher und Lohgerber lieferten dem Export mannigfache Arbeiten. Der Handel mit Waid, welcher in der Umgebung der Stadt vielfach angebaut wurde, war schon im 14. Jahrhundert ziemlich beträchtlich. Die Stadt war auch ein bedeutender Stapelort für den Durchfuhrhandel, da sie an, der Verkehrstraße von Süddeutschland nach dem nordöstlichen Gebiete lag. Die Thüringischen Lande brachten hierher ihre Naturprodukte, Korn, Holz und Kohlen, um sie dann weiter zu vertreiben. Halle vermittelte den Handel mit dem slawischen Gebiete, der Betrieb seiner Salinen war schwunghaft, die schon früh vorhandenen Salzstraßen erstreckten sich über Torgau in die Lausitz nach Böhmen, über Zeiz in das Vogtland und Franken; auch Seilerarbeiten, Holz- und Eisengerätschaften waren Gegenstände seines Betriebes. Die Handelsbedeutung der Stadt wurde im 15. Jahrhundert durch das benachbarte Leipzig überflügelt, dessen Neujahrsmessen bald von zahlreichen Kaufleuten besucht wurden; die eifrigen Proteste und Klagen Halles am kaiserlichen Hofe konnten auf die Länge den immer mehr zunehmenden Markt Leipzigs nicht unterdrücken.

Bamberg und Würzburg besaßen einen beträchtlichen Zwischenhandel; doch entwickelte sich in letzterer Stadt auch teilweise ein ganz eigenartiger Verkehr. Gewerbe und Handel traten hier früh hervor „und seine Tätigkeit den Donau- und den Rheinhandel zu verbinden und die Mainschifffahrt zu unterhalten, war stets eine lebhafte." Die Märkte zu Frankfurt a. M. erlangten erst am Ende des Mittelalters große Bedeutung. Der Platz wird der Mittelpunkt zwischen dem Nordosten und Südwesten, ein Hauptort für den Geldhandel, wo Kaufleute aus den niederländischen Städten, Sachsen, Thüringen, Böhmen, Mähren, Schlesien und Preußen sich einfanden. Die Frankfurter waren dabei wenig selbsttätig; nur an dem Vertriebe der Rhein- und Mainweine nach Brabant haben sie sich in ausgedehnterem Maßstab beteiligt.

Der Verkehr am Rhein. Köln.

Wenden wir uns zu der zweiten vorzüglichsten Hauptwasserstraße Deutschlands, zum Rhein. Seit dem 10. Jahrhundert erblühten hier Handel und Schifffahrt in großartiger Weise; der Verkehr wurde hier im 11. und 12. Jahrhundert, während der Blütezeit des Donauhandels immer reger und schwunghafter. Die Verkehrsgegenstände waren Produkte, weiche die von Natur herrlich ausgestatteten Gefilde an beiden Seiten des Stromes im reichlichen Maße gewährten, Industrieerzeugnisse, welche die betriebsamen Bewohner der Rheinstädte lieferten und levantinische Waren, die einerseits von der Donau anderseits von Marseille und den Champagner Märkten hierher gebracht und dann weiter verführt wurden. — Unter den Städten hatte Straßburg schon in der Karolingerzeit namhafte Privilegien von den Kaisern erhalten; die Straßburger, von den Rheinzöllen befreit, betrieben die Flussschifffahrt bis an die Mündungen des Stroms. Hauptgegenstand ihres Vertriebes war Elsässischer Wein. Im 12. Jahrhundert hatte die Stadt für den Oberrhein jene Bedeutung, welche Köln allmählich für den Niederrhein erlangt hatte. Die Abschaffung des Strandrechtes durch Heinrich IV. kam vorzüglich den Straßburger Kaufleuten zu Statten. Unter den salischen Kaisern, welche das Emporkommen der Städte so sehr begünstigten, nahm der Rheinhandel zu; Mainz erscheint im 11. und 12. Jahrhundert als die glanzvollste Stadt, Köln und Dortmund gewannen an Bedeutung. Die Tuch- und Wollenwebereien machten den hervorragendsten Industriezweig aus, besonders in Worms, Speyer, und Mainz.

Alle diese Städte traten im Laufe des 13. Jahrhunderts hinter Köln zurück, wo sich das städtische Leben in großartiger Weise entfaltete, so dass es an Einwohnerzahl und Handelsbedeutung die erste Rheinstadt genannt werden muss. Schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts erlangte der Handel Kölns jene europäische Bedeutung, welche er bis gegen das Ende des Mittelalters bewahrt hat Die Handelslinien erstreckten sich nach England, Norwegen, Böhmen und Ungarn. Der Hauptmarkt der Kölner war jedoch London, wo sie ein eigenes Haus, die „Gildehalle", und von den englischen Königen namhafte und ausgedehnte Handelsprivilegien besaßen. Mit außerordentlicher Klugheit und Verschlagenheit suchten sie ihr Monopol zu bewahren. Das Stapelrecht „der eigentliche Ausdruck für Kölns Handelsherrschaft" wurde von ihnen mit großer Zähigkeit festgehalten. Die Fremden durften zu Tal nur bis Biel nahe unterhalb der Stadt, zu Berg nur bis Rotenkirchen fahren. Dieses Recht, welches die Stadt 1254 vom Erzbischof Konrad erworben, wurde von Karl IV. 1355 bestätigt. Alle dieses Recht Verletzenden sollte jeder Bürger „Hansen", d. h. mit Rohr und Binsen binden und zur gesetzlichen Strafe ziehen dürfen; „wer den Halm zerriss, verfiel mit Person und Fracht dem Bürger". Ferner sollten sich fremde Kaufleute nur sechs Wochen in der Stadt aufhalten und alljährlich nur dreimal wiederkommen dürfen. Die freie Schifffahrt der Kölner auf dem Rhein erstreckte sich allgemach bis nach Mainz und Dortrecht. Letzteres verschaffte sich 1299 das Stapelrecht. Hemmend für die Rheinschifffahrt waren die vielen Rheinzölle, welche geistliche und weltliche Herren als einträgliche Geldquelle gleichmäßig ausbeuteten. Auf der Strecke von Mainz bis Köln waren nicht weniger als 13 Zollstätten. Albrecht I. 1298-1308 versuchte wohl eine Aufhebung derselben, allein später wurden die aufgehobenen Rheinzölle wieder aufgerichtet; Wenzel schaffte 1379 und 1380 die widerrechtlich eingeführten Rheinzölle ab, ohne jedoch ganz durchdringen zu können. Die gänzliche Befreiung der Rheinschifffahrt ist heute noch ein zu lösendes Problem.

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