In die Zeiten der letzten schwäbischen Kaiser fällt auch der Ursprung der deutschen Hanse, das heißt, des Städtevereins im nördlichen Deutschland, zum Schutz des Handels gegen Land- und Seeräuber, auch gegen den Druck feindlicher Nachbarn.
Der deutsche Handel stand damals trotz der unruhigen Zeiten in hoher Blüte. Durch die Kreuzzüge waren den Kaufleuten eine Menge neuer, sehr beliebter Waren bekannt geworden, womit sich großer Gewinn machen ließ, wie Zucker, Gewürze, Baumwolle und eine Menge anderer indischer Erzeugnisse, die sie über Italien bezogen. Auch der deutsche Handel machte Gewinn durch den Verkauf der eigenen Handelswaren. Eine große Handelsstraße ging vom südlichen Deutschland aus über Braunschweig nach Hamburg und
Bremen.
In den Ritterburgen lauerten aber ständig raubsüchtige Edelleute mit einem Schwarm Knappen und Knechte auf die vorüber ziehenden Wagen. Diese mussten daher stets ein starkes, bewaffnetes Gefolge bei sich haben und sich beinahe täglich mit Feinden herum schlagen, von denen sie nicht selten überwältigt und geplündert wurden. Ebenso war es zur See und auf den großen Flüssen mit den Seeräubern, durch die besonders Lübeck und Hamburg viel zu leiden hatten. Noch dazu wurden diese Städte von den feindlichen
Dänen in ihrem Handel nach Norden und Westen gehindert.
Um solchen Schwierigkeiten ein Ende zu machen, schlossen beide Städte (Lübeck und Hamburg) 1241 einen festen Bund miteinander, rüsteten eine Flotte aus, gingen damit den Seeräubern zu Leibe, schlugen die Dänen, verwüsteten einen Teil von Dänemark und erzwangen sich Ruhe. So viel Glück zu Land und zur See bewog bald noch andere Handelsplätze, dem Bündnis beizutreten. Im Jahr 1247 wurden auch Braunschweig, und in einer Zeit von 25 Jahren noch über sechzig weitere Städte aufgenommen. Die wichtigsten
waren, außer den schon genannten, Berlin, Frankfurt an der Oder, Königsberg, Danzig, Stettin, Wismar, Magdeburg, Köln und Nimwegen.
So wurde nun die deutsche Hanse in kurzer Zeit ein sehr mächtiger Bund. Zur Zeit seiner größten Stärke bestand er aus 85 Städten, die auf gemeinschaftliche Kosten Flotten von mehr als 200 Schiffen ausrüsteten, es mit den mächtigsten Fürsten aufnahmen, Städte eroberten, Heere schlugen und sogar Könige vom Thron stießen.
Wirklich verlor ein König von Schweden, Magnus, durch die deutsche Hanse seine Krone und dem König Christian von Dänemark wurde von einem Danziger Bürgermeister der Krieg angekündigt. – Andere Staaten bewarben sich eifrig um die Freundschaft dieses Bundes und räumten ihm große Vorrechte ein. So gelang es ihm, Warenniederlassungen für seine Kaufleute in Nowgorod in Russland, in Bergen in Norwegen, in Brügge in den Niederlanden und in London in England zu erlangen. Er achtete auf strenge Ordnung
unter seinen Mitgliedern. Wenn sich eine Stadt nicht gut benahm, so wurde sie verhanset, das heißt, in die Acht erklärt, und dann erging es ihr sehr übel, denn ihre Schiffe wurden weggenommen und der Handel ihrer Bürger zerstört. – So lange die Hansestädte fest zusammen hielten, blieben sie reich und mächtig.
Dreihundert Jahre lang erhielt sich die Hanse in ihrem Ansehen. Nach und nach trat aber eine Stadt nach der anderen aus und schließlich blieben nur Hamburg, Lübeck und Bremen, die noch im Jahre 1630 ihren Bund erneuerten und demselben treu blieben, bis sie im Jahre 1810 dem französischen Reich einverleibt wurden. Sie haben seitdem ihre Freiheit wieder erlangt und führen noch heute den Namen Hansestädte.
Neben der Hanse bildete sich am Rhein noch ein andere Städteverein, zu dem Mainz, Frankfurt am Main und Worms den Anfang machten und dem nach und nach ungefähr 40 Städte bietraten. Auch ihr Zweck war die Erhaltung ihrer Freiheit, der Sicherheit der Wege und des Handels. – Dies war das rheinische Städtebündnis, gestiftet 1247, das aber bald wieder einging.