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Dr. Georg Ludwig Jerrer*:
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Wie Pippin der Kurze den fränkischen Scheinkönig Childerich III. vom Thron stieß

Inhalt

Einführung

Pippin, der Majordomus (Verwalter) von König Childerich, dachte in seinem Herzen: "Wenn es meinem Bruder Karlmann so gut in einem Kloster gefällt, so wird es dort auch nicht an Unterhaltung für meinen faulen König Childerich fehlen. Er ist ja ohnehin schon lange das zurückgezogene Leben gewohnt; man sieht ihn alle Jahre einmal auf seinem mit Ochsen bespannten Wagen zur Reichsversammlung fahren, wo er eine erbärmliche Rolle spielt; es wird ihm folglich nicht schwer fallen, in einem Kloster ganz zurückgezogen zu leben; und das Schweigen versteht er ohnehin besser, als das Reden. Also herab von dem Throne in eine Zelle! Ein geschorner Kopf wird ihm weit besser stehen, als seine langen, fliegenden Haare, und eine Kutte kleidet ihn sicher weit schöner, als ein Purpurmantel. Sitzt er einmal unter den Mönchen, so bin ich unumschränkter Herr, und das wird viel besser für mich und für das fränkische Volk sein".

Pippin bringt den Papst auf seine Seite

So dachte Pippin. Da aber schon seinem Vater Karl Martell ein ähnlicher Versuch, sich unabhängig zu machen, nicht ganz gelungen war, weil die Großen des Reichs sich widersetzt hatten, so wollte er behutsam ans Werk gehen, und erst den heiligen Vater in Rom und dann die Geistlichkeit überhaupt auf seine Seite bringen.

Dazu war ihm der Erzbischof zu Mainz, Bonifacius, den man auch den Apostel der Deutschen nennt, und von dem ich euch bald mehr erzählen werde, sehr behilflich, denn er stimmte den damaligen Papst, Zacharias, zum Besten Pippins. Pippin sandte daher, ohne Bedenken, Abgeordnete nach Rom, mit der Anfrage an den heiligen Vater: Ob derjenige, der sich in dem wirklichen Besitze der Regierung und der königlichen Gewalt befinde, nicht auch des Königstitels würdig sei? Der Papst dachte sich nicht lange nach.“Allerdings“, war seine Antwort, „daran gibt es gar keine Zweifel“.

Pippin lässt sich zum König der Franken krönen

Vergnügt mit dieser Erklärung, kehrten die Abgesandten eiligst nach Hause zurück. Pippin machte die Antwort des Papstes sogleich in der Versammlung der Großen bekannt und ließ sich zum König wählen. Der Scheinkönig Childerich aber musste, nebst seinem Sohne, mit geschorenem Kopf, fünf Jahre nach Pippins Bruder, in ein Kloster wandern. Dort vertrocknete mit ihnen der letzte Zweig des Merowingischen Geschlechtes.

Pippin aber ließ sich nebst seiner Gemahlin Bertha vom Erzbischof Bonifacius 752 in Soissons zum König der Franken salben, und feierlich krönen.

Pippin bedankt sich beim Papst mit einem Feldzug gegen die Langobarden

Zum Dank für den wichtigen Dienst, den ihm durch seine Antwort der heilige Vater Papst geleistet hatte, nahm sich Pippin seiner eifrig gegen die Langobarden an, die den Papst in Angst vesetzten, zog gegen sie zu Felde, und nahm ihnen den größten Teil des Exarchats, oder den nachherigen Kirchenstaat, ab, den er dem Papste als einen Beweis seiner Erkenntlichkeit geschenkt haben soll, doch so, dass er sich die Oberherrschaft darüber vorbehielt.

So sagen wenigstens die römischen Bischöfe, und die es mit ihnen halten. Die Schenkung ist aber nicht ganz belegt, denn sie wurde erst von einem Schriftsteller erwähnt, der 140 Jahre nach Pippin und dem Papst Zacharias lebte; die Autoren aus jener Zeit aber schweigen davon.

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